Liebe Geschwister, lasst uns heute über die Schönheit des Lebens miteinander reden. Lasst uns heute miteinander das Leben feiern, denn Jesus hat uns gezeigt, dass der Macht des Todes ein Ende gesetzt ist. Unser Mesner Herbert Roth hat mir nach der Vesper am Karfreitag ein Foto gezeigt, dass der von unserer Kirche gemacht hat. Dieses Foto zeigt die Kirche und davor die wunderbar blühenden Bäume. Das Leben bricht auf, es blüht mitten an der vielbefahrenden Gabelsbergerstraße.
Wir sind – habe ich immer wieder das Gefühl – aus der Übung gekommen, die Schönheit des Lebens zu feiern, die uns Gott geschenkt hat. Wir lassen uns von so vielen Dingen runterziehen, denen wir über unser Leben Macht zugestehen. Wir lassen uns runterziehen von schlecht gemachter Politik, von Kriegen, schlechtem Klima und so vielem anderen mehr, das uns jede Energie raubt. Ich möchte das alles nicht kleinreden, aber wäre nicht gerade Ostern, der Tag, an dem dieses Dutzend an Menschen in dieser Welt, – viel mehr sind es doch eigentlich nicht – die verantwortlich sind für die Kriege und das Morden in dieser Welt, sich das vor Augen halten, was Paulus seinen Korinthern geschrieben hat? Dann wüssten Sie, dass sie auf verlorenem Posten stehen.
25 Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat« 26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.
1. Korinther 15,19-28
Paulus sagt also, dass Christus auch jetzt – hier und heute – herrscht und seine königliche Herrschaft die Garantie für die Zukunft ist. Christus hat einen klar definierten Auftrag:
25 Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat« 26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.
1. Korinther 15,19-28
Paulus will seine Korinther – mit denen wir round about zweitausend Jahre später mehr gemeinsam haben, als wir gerne glauben wollen – zu treuer Standhaftigkeit im Glauben und zu ethischem Engagement – also bekennendem Handeln – aus diesem Glauben heraus führen. Alles, was Paulus seinen Korinthern mit auf den Weg geben möchte, ist das, was wir auch heute noch brauchen: Die Hoffnung, dass Gottes Liebe über Chaos, Tod und Ungerechtigkeit siegt.
Paulus benennt auch klar und deutlich die Ursache für dieses Chaos, den Tod, die Ungerechtigkeit und die Chance, durch Ostern wieder aus dieser Falle rauszukommen.
Er nennt Jesus Christus den „Erstling“ unter den Menschen, die entschlafen sind und von den Toten auferweckt worden ist. Und er sagt, damit, dass das so auch gut ist und notwendig ist, weil nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist.
Dieser eine Mensch hat natürlich auch einen Namen: Adam. Und diesen Namen spricht Paulus ohne Umschweife aus, ohne das weiter zu erläutern. Jeder Mensch hat damals sofort verstanden, was er damit gemeint hat und welche Tragweite das Handeln Adams für die Menschheit gehabt hat. Das können wir heute nicht mehr so ohne weiteres voraussetzen oder nachvollziehen. Adam ist gewissermaßen der personifizierte Ungehorsam gegen Gott. Und der Tod aller Menschen war eine Folge dieses Ungehorsams, also der Ursünde Adams.
Da ist es wieder dieses schwere und schwierige Wort „Sünde“, das wir heute so gar nicht gerne in den Mund nehmen – auch und vor allem als Kirche. Aber ohne Sünde ist Ostern nicht wirklich zu verstehen, denn Sünde ist das Gegenteil von Verantwortung und Gehorsam gegenüber Gott.
Paulus stellt an dieser Stelle einen Kontrast her: Er stellt dem Ungehorsam Adams den Gehorsam Christi gegenüber. Und so wie durch den einen Adam der Tod kam, kommt durch einen anderen – nämlich Christus – die Auferstehung und damit das Leben. Paulus sagt damit nichts anderes als, dass Gottes rettender Akt stärker ist.
Ostern ist also soetwas wie die Reset-Taste Gottes. Alles wird im Prinzip auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt. Alles auf Anfang. Alles auf neu. Ostern wird die Welt im Grunde genommen noch einmal neu geschaffen. Und genau das ist unsere Chance. Gott streckt uns Ostern die Hand aus und sagt: „So, aber jetzt noch einmal von vorne und jetzt bitte richtig!“
Die Frage ist aber, ob wir Gottes Hand annehmen, nach ihr greifen und wie bei einem Deal beschließend feste drücken. Nehmen wir dieses großzügige Angebot an oder schlagen wir es aus?
Naja, je nachdem für welche Zählung man sich entscheidet, feiern wir heute entweder das 1993. oder das 1702. Ostern. Und leben wir in einer Zeit, in der alle Herrschaft, Macht und Gewalt – wie Paulus schreibt – vernichtet ist? – Nein!
Mit anderen Worten: Wir merken, dass es dem Menschen schwerfällt, diesen sogenannten alten Adam endlich abzustreifen und hinter sich zu lassen. Er wehrt sich sich gegen die Liebe, wie der Teufel gegen das Weihwasser, dass man es kaum glauben möchte. Eine leider wesentliche Eigenschaft des Menschen ist es, sich und anderen das Leben schwer zu machen. Das kann er perfekt. Aber über Gewalt mit anderen in Beziehung zu kommen, ist nicht das, was Gott unter Beziehung versteht. Wir erinnern uns an das Gebot, Gott mit ganzer Seele und von ganzem Herzen zu lieben und den Nächsten wie sich selbst.
Und wie wir ja aus der Geschichte Gottes mit dem Menschen und der Geschichte des Menschen mit Gott wissen, ist das eine ziemlich schwierige Beziehungskiste zwischen uns und ihm.
Und das Interessante daran ist, dass nicht Gott aus der Beziehung mit uns aussteigt, obwohl er allen Grund dazu hätte, sondern der Mensch – zumindest und vor allem in unseren Breiten. Wir sehen es an den Kirchenaustritten. Wir sehen es aber auch an manch kirchenfeindlichem Verhalten im politisch-gesellschaftlichen Leben unseres Landes. Das hat natürlich vielschichtige Ursachen. Aber es hat auch viel damit zu tun, dass die Menschen Gott die Verantwortung für die Missstände in dieser Welt zuschreiben und nicht sich selbst. Tja, und wie wollen Menschen, die das denken und sagen, noch verstehen, was Ostern bedeutet?
Ostern ist nicht das Osterei. Ostern ist nicht der Osterhase, sondern Ostern ist die Erinnerung daran, dass es der Mensch selbst war, der das Leben in Gottes Schöpfung bis an den Rand der Verzweiflung gebracht hat, weil er glaubte, alles besser zu wissen und zu können als Gott und vor allem glaubte und glaubt, dass er keinen Gott braucht.
Tod, Krieg, Unfrieden, Streit, Hass sind alles Symptome dieser Distanz, auf die der Mensch zu Gott gegangen ist. Und genau das ist wohl der größte Irrtum der Menschen. Gott ist nie auf Distanz zu uns Menschen gegangen. Er hat immer unsere Nähe gesucht und sucht sie auch noch heute.
Ostern, ist die Einladung Gottes, aus dieser Distanz wieder Nähe werden zu lassen und so dem Frieden miteinander, untereinander und überhaupt Schritt für Schritt näher zu kommen, um miteinander die Schönheit des Lebens zu feiern, die uns Gott mit all seiner Liebe jeden Morgen, jeden Tag neu schenkt.
Amen!
Euer Pfr. Martin Dubberke
Predigt am Ostersonntag, 5. April 2026, über 1. Korinther 15,19-28 (Perikopenreihe II) in der Kreuzkirche Schwabing & St. Markus Maxvorstadt
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