Martin Dubberke | Pfarrer

Und bekannten ihre Sünden

„Und es ging zu ihm hinaus das ganze judäische Land und alle Leute von Jerusalem und ließen sich von ihm taufen im Jordan und bekannten ihre Sünden.“ Markus 1, 5

Ein Wahnsinn, alle gingen zu Johannes dem Täufer, um sich taufen zu lassen und ihre Sünden zu bekennen. Das ganze Land kam zu ihm und alle Leute von Jerusalem. Das stelle man sich einmal heute vor. Alle Berliner gingen los, um sich taufen zu lassen und ihre Sünden zu bekennen.

Was mich an dieser Stelle am meisten fasziniert, ist die Bereitschaft aller, ihre Sünden zu bekennen und nicht einfach von sich zu weisen. Alle Leute von Jerusalem wussten, welche Sünden sie begangen haben und sie schienen ihnen auf der Seele zu liegen, zu lasten. Es gab also ein allgemeines Bewusstsein.

Und heute? Die Vorstellung, dass z.B. alle Berliner – oder ein wenig bescheidener – alle Charlottenburger um ihre Sünden wissen und sie bekennen wollen, klingt doch utopisch, so gar nicht realistisch.

Ich stelle mir vor, ich stünde morgens in Charlottenburg am Bahnhof und würde alle fragen, ob sie eine Sünde zu bekennen hätten oder wollten. Ich glaube, die Bilanz fiele dürftig aus und wahrscheinlich würden mich die meisten Menschen für irgendeinen komischen Sektierer halten.

Tja, diese dürftige Bilanz ist heute das Problem in unserer Welt des Ich-zuerst. Ich bin nie schuld. Jener pauschale Flüchtling ist an allem schuld. Jener Politiker ist schuld daran, dass es nicht so läuft. Ach, was, die andere Partei ist daran schuld, dass wir unsere Politik nicht umsetzen können. Ohne die liefe es besser. Wer hat eigentlich gewählt??? Wer, wer, wer… Kaum einer stellt sich die Frage. „Was habe ich dazu beigetragen?“

Die eigene Verantwortung verliert sich vor der Schuldzuweisung an einen anderen. Und genau an dieser Stelle beginnt die eigene Sünde. Und das geht schnell, wenn man nicht mehr weiß oder versteht, was es bedeutet, die Worte zu beten:

„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“

Genau an dieser Stelle tut die eigene Buße, die eigene Umkehr not.

Ein Jahresanfang bietet hier die wunderbare Gelegenheit, sich auf diesen Weg zu machen.

Dazu gehört es auch, seine Versucher und Versuchungen zu kennen und zu erkennen, um diesen widerstehen zu können.

Bibellese vom 1. Januar 2019 – Markus 1, 1-13