Pfr. Martin Dubberke
Versöhnung | Bild: Martin Dubberke

Versöhnung

Gott gebe dir vom Tau des Himmels und vom Fett der Erde und Korn und Wein die Fülle.
Monatsspruch aus Genesis 27,28

Ein erschwindelter Segen. Wir erinnern uns: Jakob hatte seinem Bruder Esau mit einem Linsengericht das Erstgeburtsrecht abgeluchst. Und als es nun soweit war, dass sich Issak, der Vater der beiden, auf das Sterben vorbereitete, rief er seinen Erstgeborenen, den Esau, er möge noch einmal für ihn auf die Jagd gehen und ihm sein Lieblingsgericht zubereiten. Dann wolle er ihn segnen.

Rebekka, die Mutter, bekam das mit und rief ihren Lieblingssohn Jakob, der nun zwei Böcklein von der Herde nehmen solle, die sie zubereiten wolle. Jakob hatte Skrupel, als es um diesen Betrug ging, denn er sagte seiner Mutter, dass ihn der blinde Vater doch erkennen würde, weil er glatt und Esau haarig sei. Aber die Mutter wirkte an diesem Betrug nun federführend mit. Sie holte Esaus Kleider und streifte Jakob Fell über, damit er haarig wirkte. Und so ging nun Jakob zum Vater hinein und erhielt einen erschwindelten Segen, ein Segen, der wirkte.

Aber was geschah dann? Die Familie zerbrach. Esau, der Liebling seines Vaters, war zornig auf seinen Bruder, den Liebling seiner Mutter, und wollte ihn umbringen. Jakob floh auf Anraten seiner Mutter vor seinem Bruder. Und was war mit Rebekka? Hätte sich der Zorn Esaus nicht auch auf sie richten müssen?

Eine Geschichte wie ein Heimatdrama. Ich erinnere mich noch gut an die vielen Konflikte zwischen meinem jüngeren Bruder und mir, weil er stets der Liebling meiner Mutter war, während ich der Liebling meines Vaters war. Eigentlich doch ganz ausgeglichen, aber jeder von uns fühlte sich ungerecht behandelt. Wenn mein Bruder und ich uns in den Haaren hatten, war er in den Augen meiner Mutter nie der Schuldige an diesem Streit, sondern ich. Und schon tat’s weh. Ich glaube, dass die meisten Geschwister solche Geschichten erzählen können.

Tja, die Jahre vergingen und Jakob war wirklich erfolgreich, hatte Frau und Kinder und wollte nun wieder in seine Heimat zurück. Doch in der Nacht, bevor es zu dem Zusammentreffen mit seinem Bruder kommen wird, begegnet ihm Gott und er ringt mit ihm. Jakob hat eine solche Kraft in sich, dass er ihn in den Schwitzkasten nimmt, wobei dann der legendäre Satz fällt: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ Jakob hatte nicht nur mit den Menschen gekämpft, sondern auch mit Gott und dann auch noch gewonnen. Und mit dem Segen gab ihm Gott den Namen Israel.

Als sich nun Jakob und Esau am kommenden Tag nach Jahrzehnten der Entzweiung wieder gegenüberstanden, lief ihm Esau entgegen, herzte und küsste ihn und beide versöhnten sich miteinander. Niemand stellte die Frage nach der Schuld. Die Sehnsucht aufeinander und die gemeinsame Sehnsucht nach Frieden waren größer als alles andere. Versöhnung ist möglich. Und Versöhnung ist wirkender Segen für alle Beteiligten.

Euer

Pfarrer Martin Dubberke


Pfarrer Martin Dubberke, Gedanken zum Monatsspruch Juni 2023

Pfr. Martin Dubberke
Pfr. Martin Dubberke

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