Martin Dubberke | Pfarrer

Frieden machen

Gedanken zu Losung und Lehrtext vom 18. Juli 2011

Wenn eines Menschen Wege dem HERRN wohlgefallen, so lässt er auch seine Feinde mit ihm Frieden machen. Sprüche 16,7

Lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander. Römer 14,19

Verse aus dem Buch der Sprüche sind mir immer eine Wohltat. Kurz, prägnant und einprägsam. – Bei der Gelegenheit, wissen Sie eigentlich woher dieses schöne Wort “prägnant” abstammt? Es leitet sich leitet sich vom lateinischen Adjektiv praegnans für “schwanger” ab. Nun ahnen Sie, wo das andere schöne Wort “bedeutungsschwanger” seinen Ursprung hat. – Schon seit Studienzeiten liebe ich dieses kleine Buch und die alttestamentliche Weisheit ebenso.

Es scheint alles so einfach. Da gibt ein Älterer und Erfahrener einem Jüngeren sein Erfahrungswissen weiter, das er selbst einmal von einem anderen Älteren erhalten hat und durch eigene Erfahrungen erweitert oder fundamentiert hat. Der Ältere führt den Jüngeren ins Leben ein. Und alles ist mit einem “wenn-dann” kombiniert. Wenn du das tust, wird es Dir wohlergehen. “Befiehl dem HERRN deine Werke, so wird dein Vorhaben gelingen.”Und daraus schließen wir messerscharf: Tun wir es nicht, wird unser Vorhaben nicht gelingen!

Die alttestamentliche Weisheit ist von einem sogenannten Tun-Ergehen-Zusammenhang geprägt. Tust du Gutes, wird dir Gutes ein Leben lang folgen. Das ist so schön und einfach. Aber leider geriet irgendwann die alttestamentliche Weisheit in eine Krise. Hiob ist ihr prominentester Vertreter. Dem Mann ging es nicht nur gut, sondern er war auch gut. Aber zwischen Gott und dem Satan gab es eine Wette: Satan war der Auffassung, dass Hiob, wenn man ihn nur genügend vom Schicksal verprügeln lassen würde, eines Tages doch Gott fluchen würde. Aber er tat es nicht. Hiob hat die ganze Zeit nicht verstanden, warum und wofür Gott ihn so straft. Am Ende hat sich jedoch alles aufgelöst und er ist alt und – ich betone – lebenssatt gestorben.

Auch uns ist der Tun-Ergehen-Zusammenhang bekannt. Alles, was ich tue, hat eine Folge, die mit meinem Ergehen in einem Zusammenhang stehen kann. Mache ich einen Fehler, so hat er Konsequenzen. Er sorgt aber auch dafür, dass ich im besten Falle beim nächsten Mal gerüstet bin und ihn nicht wiederhole – weil ich ja nun über mehr Erfahrungswissen verfüge. Doch das ist nur der rein technische Aspekt.

Deshalb noch einmal kurz einen Blick auf die Losung geworfen:Wenn eines Menschen Wege dem HERRN wohlgefallen, so lässt er auch seine Feinde mit ihm Frieden machen.

Ein fantastischer Spruch! Also, zuerst einmal stellt sich ja die Frage, wann hat denn der HERR Wohlgefallen an meinem Weg?

Die Antwort finden wir ein paar Verse zuvor: “Befiehl dem HERRN deine Werke, so wird dein Vorhaben gelingen.”

Sprich: Ich muss vorher bedenken, ob das, was ich vorhabe, auch im Sinne Gottes ist. Muss es abklopfen, ob das Vorhaben seinen Vorgaben entspricht. Also, ob es nicht gegen das Gesetz und die Propheten verstößt oder kurz das Doppelgebot der Liebe: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Das ist gewissermaßen auch die Regel gegen den unlauteren Wettbewerb, gegen Vorteilsnahme usw.

Gleichzeitig wird noch eine andere sehr wichtige Sache angesprochen: “Einen jeglichen dünken seine Wege rein; aber der HERR prüft die Geister.”

Ich kann mir nie sicher sein, wirklich auf dem richtigen reinen Weg zu sein. Meinen Geist, also das was wirklich in mir vorgeht – bewusst oder unbewusst – prüft am Ende der HERR. Das was hier ein wenig nach Gesinnungsprüfung klingt, ist aber auch wieder etwas ganz fantastisches. Es bewahrt mich davor, mich über jemand anderes zu erheben oder zu selbstsicher zu sein. Denn ich weiß, nicht ich beurteile, ob das, was ich tue einem reinen Geist entspringt, sondern Gott.

Und jetzt kommt etwas, was kaum zu glauben ist: …so lässt er – also Gott – auch seine Feinde mit ihm Frieden machen.

Dahinter steckt eine wunderbare Idealvorstellung. Denn was bedeutet es, wenn Gott Wohlgefallen an meinen Wegen hat? Genau, seiner kritischen Prüfung meines Geistes ist nichts Gegenteiliges aufgefallen. Und das heißt meinem Feind gegenüber, ich bin keine Gefahr für ihn. Er muss sich im besten Sinne des Wortes nicht vor mir fürchten. Nicht weil ich eine Lusche bin, sondern weil ich nichts gegen ihn im Schilde führe und damit ein echter Partner sein kann, dem er vertrauen darf.

Tja, und wenn sich der Losung als Lehrtext Paulus mit der Einladung anschließt: Lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander, wissen wir, was wir zu tun haben: Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst! Und: “Befiehl dem HERRN deine Werke, so wird dein Vorhaben gelingen.”Amen.