Martin Dubberke | Pfarrer

Liebe Liebende

Heute vor 1550 Jahren hat Papst Gelasius – das bedeutet „der Heitere“ – den Gedenktag des Heiligen Valentinus für die ganze Kirche eingeführt. Gelasius war – nebenbei gesagt – der dritte Papst aus Afrika.Interessanterweise wurde der Gedenktag dann 1500 Jahre später aus dem Calendarium Romanum Generale gestrichen.

Das hat dem Heiligen Valentin nicht geschadet. Er ist auch heute noch ein populärer Heiliger und am 14. Januar ist er der Heilige der Floristen. Doch wer war dieser Mann, der dafür sorgt, dass wir Männer einmal im Jahr die Blumenläden stürmen? Ich gebe es ehrlich zu, auch ich habe mich gestern in die Schlachtreihen um die schönsten Blumen eingereiht.

Aber mal ehrlich: Was wissen wir von oder über Valentin? Was würden wir alles hören, wenn wir uns am Potsdamer Hauptbahnhof mit der Frage „Wissen Sie eigentlich, wer dieser Valentin war?“ vor den Blumenladen stellen würden?

Ich vermute mal, dass wir hier als häufigste Antwort hören würden: „Der Patron der Liebenden.“

Und wenn wir dann noch die Frage dahinter schieben würden: „Wissen Sie eigentlich, warum Valentin hingerichtet wurde?“ würden wir vielleicht am häufigsten ein Fragezeichen im Gesicht der Blumenladenkunden sehen.

Ich gebe es zu: Bis gestern habe ich es auch nicht gewusst. Aber seit gestern hat Valentin gewissermaßen ein Gesicht für mich bekommen. Dieser Mann, dessen vollständiger Name Valentin von Terni lautet, war im dritten Jahrhundert Bischof von Terni, das in Umbrien liegt. Und man könnte sagen, dass dieser Bischof ein echter Friedensaktivist gewesen ist. Der hat morgens im Garten des Klosters Blumen gepflückt und daraus wunderschöne, bunte Blumensträuße gemacht, mit denen er durch die Stadt gegangen ist, um das Evangelium zu verkünden, um– wie es heißt – die Passanten in ihrem Glauben zu unterstützen. Naja, und bei der Gelegenheit hat er den Menschen auch diese Blumensträuße geschenkt. Eine sehr geschickte, psychologische Angelegenheit. Fast so, wie die kleinen Werbegeschenke, die wir machen oder selbst erhalten. Wann immer die Menschen zu Hause den Blumenstrauß gesehen haben, erinnerten Sie sich an das Gespräch mit dem Bischof. Er hatte gewissermaßen einen Anker gesetzt. All das spricht ja auch für eine ungeheure Nähe dieses Mannes zu seiner Gemeinde und ein Wissen darum, wie man in Erinnerung bleibt. Klappt ja bis heute, nur dass man bedauerlicherweise nicht mehr über das Evangelium miteinander ins Gespräch kommt, wenn man den Blumenstrauß überreicht.

Eigentlich wäre es doch eine schöne Aktion, wenn wir heute alle zur Feier des Tages einen Blumenstrauß kaufen würden, um diese wunderbare Tradition wieder aufleben zu lassen und im Holländischen Viertel mit dem Blumenstrauß in der Hand mit den Menschen über unseren Glauben ins Gespräch kämen. Das wäre doch auch mal Innere Mission vom Feinsten. Damit kämen wir in die Zeitung.

Doch nur, weil man mit den Menschen auf der Straße über das Evangelium gesprochen hat und ihnen einen bunten Blumenstrauß geschenkt hat, wird man doch nicht hingerichtet? Auf diese Weise wird man doch nicht zum Märtyrer?

Ich sagte ja vorhin schon mal ein wenig flapsig, dass Valentin eigentlich ein Friedensaktivist gewesen ist. Er hat nämlich auf der Straße den Männern ans Herz gelegt, statt in den Krieg zu ziehen, lieber bei ihren Frauen und Kindern zu bleiben.

Damit hat er an den Grundfesten des Römischen Reiches gerüttelt. Und wir wollen uns an der Stelle auch ruhig noch einmal daran erinnern, dass zu Valentins Zeiten im Römischen Reich noch immer Christen verfolgt wurden. Sie waren noch längst nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sie bildeten noch immer eine Minderheit in einem Volk, das an Zeus, Juno, Venus und Co. glaubte. Sie bildeten damals eine aufstrebende Minderheit, anders als heute, wo wir insbesondere in Brandenburg in eine absterbende Minderheit gegangen sind.

Es war damals aus anderen Gründen als heute nicht selbstverständlich, ein Christ zu sein.

So, und dann ging dieser Valentin auf die Straße, missionierte und lud die Männer ein, den Wehrdienst zu verweigern. Genau das hat sich der Römische Kaiser nicht gefallen lassen und kurzerhand Valentin hinrichten lassen.

Für mich hat seit gestern der Valentinstag eine ganz neue Bedeutung erhalten: Er ist ein Friedenstag. Da wo die Liebe waltet, da ist auch Frieden. Der Heilige Valentin erinnert mich daran, dass die erste Botschaft des Evangeliums der Friede ist, so wie es die Heerscharen über der Krippe Jesu sprachen:

„Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden
bei den Menschen seines Wohlgefallens.“
Lukas 2, 14

Frieden zu üben – und damit ist nicht nur der zwischen Russland und den USA oder Europa oder in Syrien gemeint – sondern auch der unter uns, in unseren privaten und auch beruflichen Beziehungen. Dieser Friede ist gelebtes, aktives Bekenntnis zum Vater, zum Sohn und zum Heiligen Geist, ja ist Ausdruck unserer Loyalität zu Gott.

Ich las dieser Tage ein paar Zeilen von Hanns Dieter Hüsch, die ich Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte:

Ich stehe unter Gottes Schutz, ich weiß das seit geraumer Zeit. Er nahm den Gram und das Bittere aus meinem Wesen und machte mich fröhlich. Und ich will hingehen, alle anzustecken mit Freude und Freundlichkeit, auf dass die Erde Heimat wird für alle Welt: Durch seinen Frieden und unseren Glauben, Schalom in Dorf und Stadt.

Naja, und wer weiß, vielleicht verspürt ja der eine oder die andere das Bedürfnis nach der Andacht noch rasch bei Netto drüben einen kleinen Blumenstrauß zu kaufen und dann an der Tür eines Kollegen oder einer Kollegin zu klopfen, wo es gerade vielleicht nicht ganz so gut miteinander läuft und zu sagen: „Tut mir leid. Kannst Du mir noch einmal verzeihen? Können wir gemeinsam Frieden finden und schließen?“

Amen. So soll es sein. Amen!

Wochenandacht beim Landesausschuss für Innere Mission am 14. Februar 2019