Pfr. Martin Dubberke
Altjahrsabend 2025 | Bild: Martin Dubberke & KI

Wenn auch die Jahre enteilen – Jesus bleibt bestehen

Liebe Geschwister, und schon wieder geht ein Jahr zu Ende. Wie die Zeit doch rast. Wie die Jahre enteilen. Im Fernsehen und den Zeitungen gibt es wieder einmal die obligatorischen Jahresrückblicke. Auch wir haben dieses Jahr in der Gemeindewoche einen kleinen Jahresrückblick gemacht.

Und wenn ich mir das Jahr so anschaue, dann ist da eine ganze Menge geschehen und vieles mehr ist nicht geschehen. Das ist so wie mit unseren persönlichen Neujahrsversprechen, die wir uns oder einander geben. Da merken wir immer an uns selbst, wie ernst wir es mit unseren Versprechen nehmen und wie schnell wir uns von den Umständen korrumpieren lassen. Und Schwupps, gibt es einen guten Grund, sich wieder eine Zigarette anzuzünden oder eine Tüte mit Süßigkeiten aufzureißen… Im Brechen von Neujahrsversprechen haben wir doch alle – zugegebenermaßen – eine gewisse Erfahrung. Tja, und schon schleicht sich beim Einstieg in diese Altjahrsabend-Predigt so eine Ahnung von Pessimismus ein. Und hat der Dubberke nicht erst vor ein paar Tagen den Optimismus gepredigt? – Stimmt! Hat er. Also, warum steige ich dann so in diese Predigt ein? – Ganz einfach, weil es manchmal gut ist, sich an die eigene Nase zu fassen, bevor wir über all die richten, die es nicht hinkriegen, Versprechen einzuhalten, Frieden in dieser Welt zu stiften und noch vieles andere mehr.

Auch in dieser Predigt wird es um den Optimismus gehen, den wir als Christinnen und Christen Hoffnung nennen.

Als ich den Predigttext für diesen Abend las, hatte ich sofort eine Arie aus der Operette „Im Reiche des Indra“ von Paul Lincke im Ohr – Paul Lincke ist der Komponist, der auch die Berliner Luft komponiert hat. Und im Refrain dieser Arie heißt es:

Wenn auch die Jahre enteilen,
bleibt die Erinnerung noch,
selige Träume verweilen
ewig im Herzen dir doch.

Bolten-Baeckers/Paul Lincke

Ich singe Euch einfach mal diese paar Zeilen an…

Es ist nicht nur sanfter Walzer, sondern da klingt auch ganz schlicht die Sehnsucht nach einer heilen Welt durch. Die Worte und die Melodie setzen unsere Sehnsucht in Gang und machen uns ein wehmütig warmes Herz.

Und ich weiß nicht, ob Ihr es gemerkt habt, aber es gibt zwei Worte in diesem Refrain, die wichtig sind, und wie wir gleich hören werden, auch im Predigttext aus dem Hebräerbrief eine Rolle spielen: „Ewig“ und „Herz“. Die Erinnerung bleibt ewig in unseren Herzen. Die Erinnerung verändert unser Herz und damit auch unser Leben. Das Herz ist Sitz der Gefühle und des Glaubens. Das Herz ist der Ort, der unser Leben bestimmt. Dinge gehen zu Herzen und kommen von Herzen. Man kann warmherzig sein oder ein kaltes Herz wie Stein haben.

Und es geht um Träume. Träume, in denen wir uns erinnern, Träume, die aber auch Visionen sein können, die Ausdruck unserer Hoffnung sein können. Wie oft begegnet Gott in der Bibel Menschen im Traum, um sie zu warnen, um ihnen spürbar nah zu sein. Und vergessen wir nicht Martin Luther Kings berühmtes „I have a dream“ – Ich habe einen Traum. Träume haben die Kraft, die Welt zu verändern.

Und nicht zuletzt geht es auch um den Faktor Zeit, die Beständigkeit und damit Zuverlässigkeit. Das ist der Moment, in dem das Wort „ewig“ ins Spiel kommt.

Und nachdem wir uns mit einer Operetten-Arie an den Predigttext herangeschlichen haben, möchte ich Ihn Euch vorlesen:

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.

Hebräer 13,8-9b

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. – Das ist der Anker unseres Lebens. Komme, was da wolle, Jesus Christus ist gestern, heute und in Ewigkeit immer derselbe. Jesus Christus ist die garantierte Beständigkeit für alle Zeit und darum können wir uns mit unserem Leben, mit unseren Herzen voll und ganz auf Jesus Christus einlassen. Der ändert nicht alle zwei Minuten seine Meinung.

Und ist es nicht das, was wir in unserem Leben brauchen, die Zuverlässigkeit, auf der wir unser Leben aufbauen können? Jesus Christus ist das Versprechen von Beständigkeit in dieser vogelwilden Welt, in der ich mich kaum noch auf etwas verlassen kann, was gestern war ist heute nicht mehr. Eine Zeit, in der man mal schnell die Orientierung verlieren kann, eine Zeit, in der die extremen Kräfte von beiden Seiten an uns zerren und mit unseren Sehnsüchten nach Ruhe und Ordnung spielen und die doch nichts anderes wollen, als dass wir Marionetten in ihrem Spiel mit dieser Welt sind. Und genau das ist es, was Jesus Christus nicht will. Er will unsere Freiheit. Und diese Freiheit ist nicht Ausdruck einer Ideologie – egal, ob sie von Links oder Rechts oder aus der Mitte kommt – , sondern Ausdruck der Freiheit und Verantwortung aus der Liebe heraus. Unser Glaube sollte uns vor „fremden Lehren“, die nicht diese Liebe, diese Freiheit im Blick haben, bewahren.

Und damit stellt sich uns am Ende dieses Jahres die Frage, wie es denn um unsere Kraft als Kirche und als einzelne Christenmenschen ausschaut, genau diese Liebe und Freiheit ansteckend unters Volk zu bekommen, um die Menschen immun für Hass und Krieg zu machen und die Liebe in ihnen zu wecken, die Liebe zum Nächsten und sich selbst, die ein friedliches Leben miteinander möglich werden lässt. Also genau das, wonach wir uns so sehr sehnen.

Und diese Sehnsucht nach Ruhe und Frieden macht uns immer wieder empfänglich für vermeintlich schnelle Lösungen. Es gibt aber keine schnellen Lösungen und Dinge, die aus Feigheit und Egoismus Jahrzehntelang verschleppt worden sind, lassen sich nun einmal nicht von heute auf morgen lösen. Das ist so wie die Pfunde, die man sich über Jahre anisst und dann möglichst innerhalb von zwei Tagen wieder loswerden möchten. Und wir wissen, wie belastbar all diese Schnelldiätversprechen sind.

Diese Verse aus dem Hebräerbrief sind in eine Zeit geschrieben worden, die der unseren nicht unähnlich ist, nämlich in eine Zeit von Veränderungen und Irrlehren. Der Autor des Hebräerbriefes stellt dem die Beständigkeit Jesu Christi als verlässliche Lebens- und Glaubensgröße gegenüber. Und wir dürfen merken, dass, wenn wir heute wieder über diese Beständigkeit reden und nachdenken, der Autor doch recht haben muss, dass Jesus Christus gestern und heute und auch in Ewigkeit immer derselbe bleibt.

Das sollte auch uns heute für Veränderungen stark machen und den Irrlehren widerstehen lassen. Die Botschaft Jesu Christi darf uns zu Herzen gehen, so das aus dem Herzen heraus das Handeln der Liebe geschieht, die diese Welt verändern darf und den Irrlehren gegenüber eine klare Absage erteilt.

Die volkstümliche Sehnsucht, die Paul Linckes Arie „Wenn auch die Jahre enteilen“ anklingen lässt, verbindet sich mit der biblischen Gewissheit. Wie Lieder im Volksmund überdauern, so bleibt Jesus in Ewigkeit derselbe – unser Anker im Jahresübergang.

Und damit komme ich zum letzten Gedanken:

…denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade…

Wir sind eingeladen zurückzublicken auf das nun endende Jahr, auf Wandel, Krisen, Erfolge, um dann das Jahr 2026 mit Vertrauen in die unverrückbare Treue Jesu anzutreten, statt in flüchtigen Trends zu schwanken. Die Beständigkeit Jesu Christi gibt auch unseren Herzen Beständigkeit im Glauben und der Liebe und dem Vertrauen in Gottes Heilshandeln.

„Ein köstlich Ding, dass das Herz durch Gnade fest werde“ (Hebräer 13,9b) verspricht Stabilität als Gnade und damit als Geschenk, nicht als Leistung. Das ist wie der Gurt eines Astronauten im Weltall – er hält inmitten von Schwerelosigkeit und Chaos; so festigt Gnade unser Herz in unsicheren Zeiten.

Und so entlässt uns Jesus Christus gestärkt in diesen Altjahrsabend: Geht hinaus, gebt mit festem Herzen Christi Beständigkeit weiter!

Und vergesst nie: Wenn auch die Jahre enteilen – Jesus bleibt bestehen.

Amen.

Pfarrer Martin Dubberke

Pfarrer Martin Dubberke | Bild: Johannes Dubberke
Pfarrer Martin Dubberke | Bild: Johannes Dubberke

Predigt am Altjahrsabend 2025 – am 31. Dezember 2025 in der Markuskirche zu Farchant under Johanneskirche zu Partenkirchen, Perikopenreihe II mit einer Predigt über Hebräer 13,8-9b.

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