Martin Dubberke | Pfarrer

Passionsimpuls zum Sonntag Palmarum

Der König zieht ein

Vor uns liegt der Sonntag Palmarum. Der letzte Sonntag der Passionszeit. Wir sind Ostern nun sehr nahe. Noch vier Tage, dann ist Gründonnerstag, einen Tag später Karfreitag und zwei Tage später Ostern. Dann können wir auch endlich die bunten Ostereier anhängen.

Palmarum zieht Jesus in Jerusalem ein. Er tut dies nicht mit einem Streitwagen, also einem antiken Panzer, sondern auf einem Eselsfüllen, einem jungen, kleinen, zarten Esel. Keinem starken und Respekt einflößendem Pferd. Auf diesem Esel sitzt er mit dem Volk auf Augenhöhe. Keine Insignien der Macht. Er zieht ein wie ein König und wie ein Bettler zugleich. Das Volk, das wenige Tage später das „Kreuzige ihn“ rufen wird, jubelt an diesem Tag Jesus zu und schwenkt Palmzweige. Die Botschaft, die mit diesen Palmzweigen verbunden ist, findet sich im Psalm 92 und hier im Vers dreizehn:

Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum, er wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon.

Jesus ist dieser Gerechte und er ist so gewachsen, dass wir auch heute noch, zweitausend Jahre später, seine Geschichte, sein Leben kennen und noch immer Millionen Menschen über die ganze Welt verteilt, daran glauben, dass er Gottes Sohn ist, der gestorben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel ist, wo er zur Rechten Gottes sitzt. Er ist nach wie vor der König, der am Palmsonntag in Jerusalem auf einem Eselsfüllen unter dem Jubel der Palmenzweige schwenkenden Menge eingezogen ist.

Die Palmenzweige sind ein Zeichen des Sieges. Mit Jesus können wir siegen. Mit Jesus kommt die Freiheit, die Befreiung.

Jesus sagt nicht, dass man die Bösen umbringen solle, sondern das Böse in sich selbst durch das Gute ersetzen solle. Jesus eröffnet Perspektiven durch Einsicht, nicht durch Befehl und Waffengewalt.

Alles, was er in seinem Leben getan hat, war beispielhaftes oder zeichenhaftes Handeln. Er hat uns vorgemacht, was es heißt, Gewohntes in Frage zu stellen und nach dem eigentlichen Sinn, der ursprünglichen Bedeutung einer Sache zu fragen. Er hat mit seiner Geduld unseren kritischen Geist geschult und uns damit eine zentrale Frage für unser Denken und Handeln mit auf den Lebensweg gegeben: Ist das, was ist, vor dem Hintergrund des Gebotes Gottes rechtens?

Und weil er uns diese Frage mit auf den Weg gegeben hat, sind wir als Christinnen und Christen damit beauftragt, das Recht und die Gerechtigkeit in dieser Welt wachsen zu lassen.

Als Jesus in Jerusalem einzog, riefen die Menschen:

Hosianna! Gelobt sei,
der da kommt im Namen des Herrn,
der König von Israel!

Johannes 12, 13

Hosianna ist kein Jubelruf. Hosianna heißt: „Hilf doch!“ – Hilf doch, Du bist der, der im Namen Gottes kommt.

Das ist Hilferuf und Bekenntnis zugleich.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende und Zeit, sich Gott zu zeigen

Ihr

Martin Dubberke