Martin Dubberke | Pfarrer

Mehr Gewinn als Verlust

Bislang ist unser Bundespräsident Christian Wulff nicht durch prägende Reden oder Handlungen wie Herzog oder Weizsäcker oder auch Rau in Erscheinung getreten. Wulff ist seit seiner Wahl unsichtbarer als Heinz Köhler in seiner zweiten Amtszeit gewesen. Er fiel nicht weiter auf…

Doch dann holte ihn plötzlich die ungeschickte Vergangenheit ein und plötzlich wurde einem wieder bewusst, dass die Bundesrepublik auch einen Bundespräsidenten hat. Gemessen an der Euro- und Wirtschaftskrise ist sein Privatkredit eine kleine Erdnuss. Mir erschließt sich aber nicht, wieso der Ratsvorsitzende der EKD zu der Einstellung gelangt, der Rücktritt von Christian Wulff wäre ein Verlust. Dazu müsste er doch etwas mehr vorzuweisen haben, als das, worum es gerade in der öffentlichen Debatte geht. Sein Verbleib im Amt dient einer ganz anderen Sache in der gegenwärtigen Situation. Der Rücktritt wäre insofern kein Verlust, würde aber wahrscheinlich einen Dominoeffekt auslösen – so liest man es zumindest immer wieder -, der die Regierung zu Fall bringen könnte. Da sich aber interessanterweise alle politischen Seiten einig sind, dass ein Rücktritt außer Frage steht, wäre doch – naiv gedacht – auch das kein wirkliches Argument mehr. Der Weg für einen neuen Präsidenten oder eine Präsidentin fern jeden parteipolitischen Kalküls wäre damit frei. Würden sich die großen Parteien unseres Landes auf einen gemeinsamen Kandidaten – wie z.B. Joachim Gauck – einigen, gäbe es in der Bundesversammlung auch keine Sorgen mehr um die klare Mehrheit. Es wäre ein Bundespräsident, der mit einer besonderen Autorität ins Amt gewählt worden wäre und damit das Zeug hätte, ein echter Bundespräsident zu werden und zu sein. Damit wäre der Rücktritt von Wulff in jeder Hinsicht ein Gewinn und eine gute Tat für Deutschland.