Martin Dubberke | Pfarrer
Mose

Mit Gott an meiner Seite, kann ich die schwierigsten Wege gehen

Das mit dem Aufbrechen ist ja so eine Sache. Das kostet Energie. Ich muss aufstehen, muss mich bewegen. Da bleibe ich doch manchmal sitzen und überlege, ob es sich jetzt wirklich lohnt, aufzubrechen. Man macht dann so eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf. Was habe ich davon, wenn ich bleibe? Was habe ich davon, wenn ich aufbreche? Jetzt weiß ich, woran ich bin. Und woran werde ich sein?

Viele Menschen verharren gerne in dieser Haltung. Mit anderen Worten, sie brechen nicht auf. Sie ändern sich nicht. Lassen sich auf nichts Neues in ihrem Leben ein, sind ewiggestrig, weil sie an der Sicherheit dessen kleben, was sie haben, auch wenn sie damit nicht wirklich zufrieden sind.

So bleiben viele Menschen in Beziehungen und Verhältnissen stecken, die sie nicht glücklich, sondern graumäusig machen. Sie funktionieren einfach. Aber leben sie auch? Manchmal gibt es auch Leute, die man regelrecht zu ihrem Glück zwingen muss, weil ihre Angst aufzubrechen so unendlich groß ist. Das Neue löst bei Ihnen mehr Unsicherheit als Begeisterung aus. Es kann sein, dass sie genau wissen, dass es besser werden könnte. Aber sie zweifeln, ob es besser wird. Und dann lassen sie sich vielleicht doch darauf ein, weil Sie jemand davon überzeugen konnte, weil er selbst überzeugt worden ist, wie z.B. ein gewisser Mose.

Der sollte ja so ein Volk, dem es im Prinzip gut ging, ins sogenannte gelobte Land führen, hielt sich aber dafür nicht geeignet. Ja, er hatte wirklich den Schneid das Gott direkt ins Gesicht – naja, eher in den brennenden Dornbusch – zu sagen. Aber Gott wandte seine ganze göttliche Rhetorik an und Mose musste einsehen, dass dem er nicht länger gewachsen war, dass seine Argumente wie Eis in der Sonne dahinschmolzen und er keine andere Wahl hatte. Gott hatte ihn überzeugt und darum konnte auch er nicht nur sein Volk, sondern auch den Pharao überzeugen.

Sie sind aufgebrochen. Wer von Ihnen schon mal eine Diät gemacht hat, nachdem er sich endlich dazu durchgerungen hat, kennt das euphorische Gefühl, wenn die Pfunde purzeln, wenn man auf der Waage den Fortschritt erkennen kann und der Fortschritt feuert einen ja geradezu an, bei der Stange zu bleiben. Man hat das gelobte Gewicht vor Augen, doch dann bleibt dieser verdammte Zeiger auf der Waage stehen. Er bewegt sich weder nach unten noch nach oben. Sie kasteien sich. Lassen in der Diät erlaubte Sonderrationen weg und der vermaledeite Zeiger zeigt auf der Waage nur eines an: Stillstand. Enttäuschung macht sich breit. Die Motivation beginnt zu leiden. Noch bleiben Sie standhaft bei der Stange und machen alles, wie es die Diät vorschreibt. Und mit einem Male sind sie so dermaßen gefrustet, dass sie sich den Götzen in Staniol zuwenden: Vollmilch-Schokolode, Haselnuss und Co.

Und genau in dieser Situation befand sich die Exilantentruppe. Ihnen fehlte ein Zeichen, und weil aus Ihrer Sicht kein Zeichen kam, bastelten sie sich was zum Anfassen und Drumherumtanzen. Damit war nun wieder der liebe Gott – wen überrascht es? – nicht wirklich einverstanden und hat es sein Volk aus vollkommen nachvollziehbaren pädagogischen Gründen spüren lassen.

Nun saß da Mose auf seinen vor Wut zerschlagenen Gesetzestafeln. Was machte er? Er ging wieder zu Gott und holte sich neue Gesetzestafeln und legte für sein Volk ein gutes Wort ein.

Aber ihm war auch bewusst, dass er einen Beweis der Gegenwart Gottes brauchte und Gott gab ihm den. Und er begründete Mose gegenüber sein Handeln sogar.

„Der HERR sprach zu Mose: Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen.“ 2. Mose 33,17

Die Geschichte macht eines deutlich: Ohne Gott kann ich nicht aufbrechen. Mit Gott an meiner Seite, kann ich die schwierigsten Wege gehen. Wenn das kein Wort ist.

Amen.