Martin Dubberke | Pfarrer

Die Telefonnummer Gottes

Es gibt ja Menschen, die sind ganz schwierig ans Telefon zu kriegen. Da hört man dann immer wieder den schönen Satz: „Es ist leichter,  mit dem Papst zu telefonieren als mit Dir!“

Das könnte schon fast als Kompliment aufgefasst werden, weil es ja die eigene Wichtigkeit unterstreicht.

Es gibt auch Menschen, die müssen sich am Telefonzerberus – also dem freundlichen Menschen im Vorzimmer – abarbeiten, um jemanden zu erreichen. Und mancher Telefonzerberus ist unerbittlich. Da gibt es kein Durchkommen, egal wie oft er anruft und sich immer wieder aufs Neue vertrösten lässt: „O, das tut mir jetzt wirklich leid, aber er ist jetzt gerade in einer Besprechung und danach hat er noch einen Termin außer Haus. Am besten versuchen Sie es am Montag. Da sieht es gut bei ihm aus.“

Dann ruft der arme Mensch am Montag an und muss hören, dass der andere wieder zu einer ganz wichtigen Besprechung musste.

Und dann gibt es ja auch noch die Anrufregeln in unseren Mobiltelefonen und Festnetzgeräten. Da können wir sogar festlegen, wer bei uns durchkommt und wer nicht. Dank der Technik können jede Menge Telefonnummern sperren und sparen uns die Ausreden, weil der andere gar nicht mehr zu uns vordringen kann, weil er einfach keine Chance dazu hat.

Bei der Gelegenheit: Kennen Sie eigentlich die Telefonnummer von Gott? Wenn nicht, dann können Sie sie sich jetzt notieren. Die Vorwahl lautet 77256  und dann 91 und die Durchwahl schließlich 15.

Das ist jetzt der Moment, wo Sie endlich mal in der Andacht Ihre Handys rausholen können und telefonieren dürfen.

Mal sehen, wer sich am anderen Ende der Leitung melden wird. Ja, ja, Sie haben mich durchschaut. Mit dieser Nummer  erreichen Sie höchstens die BHV-Bau-Handwerker-Vereinigung im Schwarzwald-Baar-Kreis GmbH.

Also, doch nicht die Rufnummer Gottes? Sollte ich Ihnen einen Bären aufgebunden haben? Alte Simserinnen und Simser unter Ihnen, die Ihr Handwerk noch auf einem klassischen Handy gelernt haben, sind jetzt im Vorteil.

Wenn Sie die Vorwahl 77256 eingeben, erhalten Sie das Wort Psalm und dann ist alles ganz einfach: Psalm 91, 15:

Der HERR spricht: Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören.

Und? Habe ich Ihnen nun zu viel versprochen? – Nein, nicht wahr? Ich meine, Sie haben nicht wirklich damit gerechnet, dass es so etwas wie eine klassische Telefonnummer Gottes gibt, oder?

Und soll ich Ihnen mal die Vorteile dieser Rufnummer nennen?

Diese Nummer ist rund um die Uhr an 365 Tagen erreichbar.

Sie brauchen kein Telefon oder Handy. Ihnen kann im Notfall also kein leerer Akku einen Streich spielen. Es gibt auch keine Funklöcher. Der Anruf ist – egal wie lange er dauert – gebührenfrei.

Und natürlich gilt: Wann immer Sie diese Nummer wählen: Der Anschluss ist niemals besetzt, keine Warteschleife mit schrecklicher Fahrstuhlmusik. Und noch etwas: Es gibt keinen Telefonzerberus, an dem Sie vorbei müssen. Es handelt sich um die Direkt-Durchwahl. Und noch etwas: Sie müssen keine Angst haben, Gott bei einer anderen wichtigen Angelegenheit zu stören, wenn Sie ihn anrufen. Und wissen Sie auch warum?  Weil er sagt: Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören. Sie sind dann der wichtigste, weil Sie ihn anrufen.

Alles, was Sie brauchen, um die Verbindung herzustellen sind zwei Hände, die Sie zum Gebet falten. Meinetwegen – und Sie kennen mich inzwischen gut genug – können Sie Ihre Hände auch um eine Tasse Kaffee legen und einfach mit den Worten beginnen: „Lieber Gott,…“

Und das können Sie entweder laut mit Ihren Lippen sprechen oder in Gedanken, eine Sprache, die Gott auch sehr gut versteht.

Naja, und wie man so ein Telefonat beendet, wissen Sie auch. Sie sagen einfach: „Amen.“

Und das tue ich jetzt auch: Amen.

 

Wochenandacht im LAFIM am 22. Oktober 2014