"Buden-Landschaft"

„Buden-Landschaft“

Dieser Tage hat die Berliner Abendschau auf Facebook die Frage gestellt, was man über die „Buden-Landschaft“ an der Gedächtniskirche denkt. Dabei leitete sie ihren Beitrag mit der suggestiven Frage ein: „Was soll mit den unästhetischen aber anscheinend lukrativen Buden auf dem Breitscheidplatz passieren?“ Meine Meinung dazu ist diese:

Märkte auf Kirchplätzen haben eine Tradition, die bis ins Mittelalter reicht. Märkte gehören zu großen Kirchen, denn die großen Kirchen sind einst der Mittelpunkt der Städte gewesen, der Ort, zu dem die Menschen strömten, um mit Gott oder den Vertretern der Kirche ins Gespräch zu kommen. An diesen Orten fand immer Handel und Wandel statt. Da gab es Gaukler, Künstler und Bettler. So ist es auch an der Gedächtniskirche. Um die Kirche herum ist der Markt und zu den Füßen der Kirche sitzen die Bettler, Straßenmaler und Gaukler – also Tänzer und Skateboard-Künstler, die Zauberer, Jongleure und Feuerschlucker.

Also, eigentlich ist alles ganz normal. Und es ist das gute Recht der Gemeinde, auf legalem Wege Geld für den Unterhalt und den Erhalt der Kirche zu generieren, die auf der einen Seite Ort der Begegnung mit Gott ist und auf der anderen Seite Mahnmal und Touristenattraktion. Das ist doch das, was die Regierung unserer schönen Stadt von uns erwartet: Eigeninitiative und Bürgerengagement. Die Gemeinde nutzt die Möglichkeiten, die ihr gegeben sind. Also, die ihr anvertrauten Pfunde (Lukas 24, 12-27). Und dagegen wird auch Jesus nichts haben, weil es nicht um Bereicherung und Religionsmissbrauch geht – das war nämlich der eigentliche Grund der Tempelreinigung durch Jesus. Mit anderen Worten: Der Markt soll bleiben, weil mit dem Markt der Tempel Gottes am Laufen gehalten wird.

Natürlich – und da bin ich ganz ehrlich – wünschte ich mir an dieser Stelle etwas mehr Niveau. Ich will ja nichts gegen den Asia-Imbiss oder die Currywurst sagen, denn die Düfte und Gerichte aus fernen Ländern gab es auch schon früher auf den mittelalterlichen Märkten. Aber ich könnte mir vorstellen – und da bin ich ganz ehrlich – dass dieser Markt noch ganz andere Potentiale birgt, die es zu bergen gilt.