Martin Dubberke | Pfarrer

Was ist das?

Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie diese Frage hören: “Was ist das? Also, mein Tag besteht ständig aus den Fragen:

“Was machst Du da?”
“Warum machst Du das?”
“Was ist das?” 

So lauten die Fragen, mit denen mich meine beiden Jungs tagein und tagaus bestürmen.

Und sie bestürmen nicht nur mich mit diesen Fragen, sondern auch die Kassiererin oder den Marktleiter bei Aldi oder den Hausmeister oder, oder, oder… Sie stellen diese Fragen ganz ungeniert und offen und bekommen eine Antwort, die den gleichen Fragen-Kanon zur Folge hat. Ich übe mich in Geduld und erkläre zum zweihundertfünfundachzigsten Male, was ich da gerade tue und warum ich es tue und, was es ist, das ich da tue. Was ich an meinen Jungs und überhaupt an Kindern so schätze, ist ihre ungezwungene Art zu fragen. Wir als Erwachsene verlieren ja mit der Zeit diese Fähigkeit und ziehen uns den Mantel der Allwissenheit an, weil nur ungerne zugeben, etwas nicht zu wissen. Wer steht schon gerne als Dummer da? Stattdessen tun wir gerne so, als wüssten wir, wovon der andere redet und stellen dann im ersten unbeobachteten Moment unserem iPhone die Frage, das uns via Internet sofort eine Antwort liefert.  Dieses “Was ist das?” erinnert mich natürlich auch an das berühmte Jesuswort: “Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.” (Matthäus 18,3) Das ist die Einladung an uns, doch wieder mehr von dem Kind in uns zuzulassen, dieses Ungezwungene und Offene und Neugierige. 

Sie können diese Frage aber auch auf unterschiedliche Weise stellen:

  • Was ist das? – also kindlich.
  • Was ist das? – Was hast Du da gemacht, was soll das? Was hast Du Dir dabei gedacht? Das ist das Vorwurfs-Was-ist-das? Das Moralische, Schuldgefühle einflößende.
  • Was ist das? – Das ist das inquisitorische, verunsichernde und Furcht einflößende “Was ist das?” Was ist das? Das ist die Einleitung zur Gardinenpredigt, der unmittelbar die Strafe folgt.
  • Was ist das? – Das ist die kleine Frage, mit der wir im Konfirmandenunterricht gequält worden sind:

Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Was ist das?

Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.

Tja, heute auf den Tag genau vor 483 Jahren – also 1529 – ist Luthers Kleiner Katechismus erschienen. Der Kleine Katechismus besteht immer aus drei Teilen: Einem Abschnitt – z.B. – aus den 10 Geboten, die “Was-ist-das-Frage” und dann eine Antwort. Der Trick dabei: Man lernt dabei nicht nur die 10 Gebote, das Vater unser und die Sakramente auswendig, sondern auch ihre Interpretation und ihren Sinn und Zweck, wenn später solche Fragen gestellt werden wie: 

  • “Wem nützt…?”
  • “Was heißt denn…?”
  • “Wie geschieht das?”
  • “Wie kann…?”
  • “Was bedeutet…?”
  • “Wo steht das geschrieben?”

Gleichzeitig – und das finde ich das Subtile daran – lernt man dabei einen kleinen Kanon mit Fragen, den man leicht verinnerlichen kann und mit dem ich alles hinterfragen kann. Mit diesen Fragen, kann ich alles, was ich tue oder was geschieht auf seine Bedeutung, seinen Sinn, sein Funktionieren, seinen Nutzen abklopfen. Diese Fragen helfen bei der Lebensorientierung. Und am Ende wird immer eines dabei herauskommen, nämlich das, was heute in der Losung des Tages steht: Der HERR ist unser Richter, der HERR ist unser Meister, der HERR ist unser König; der hilft uns! Jesaja 33,22 

Und warum ist das so?

Weil: Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Was ist das?

Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.

Amen.