Liebe Geschwister, nach so einer Predigt wie von Johannes dem Täufer muss man erst einmal so richtig durchatmen. Johannes ist in seiner Predigt – weiß Gott – nicht zimperlich. Da ist ein Prediger, der aufs Ganze geht. Ich stelle mir vor, ich würde zu Euch so reden. Ich sage nur:
Ihr Otterngezücht, wer hat euch gewiss gemacht, dass ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Lukas 3,7
Stellt Euch doch einfach mal vor, ich würde Euch heute Morgen allesamt ebenso als „Otterngezücht“ bezeichnen. Was würde passieren? Würdet Ihr hier sitzenbleiben und mir weiter zuhören? Oder würdet Ihr denken: Nur gut, dass der Knabe uns im Februar endlich Richtung München verlassen wird. Oder würdet Ihr Euch beim Dekan, dem Bischof oder in den sozialen Medien und der Zeitung über mich beschweren und einen Shitstorm über mich hereinbrechen lassen?
Ihr Lieben, Sonntag für Sonntag schauen wir in der Johanneskirche hinter mir auf Johannes den Täufer, wie er im Jordan Jesus tauft. Sonntag für Sonntag dürfen wir uns an seine Bußpredigten erinnern und wenn wir auf das Kruzifix schauen, das hier in unserer Johanneskirche von der Decke hängt, so dass wir zu Jesus hinaufschauen müssen, dürfen wir uns an das Erlösungswerk, das Heilshandeln Jesu erinnern.
Tja, und all das darf in uns die Frage auslösen: Was haben wir, was habe ich ganz persönlich daraus gemacht? – Und schon sind wir mitten drin im Thema: Der Buße.
Wenn wir uns in dieser Adventszeit auf die Geburt Jesu vorbereiten, den Friedefürsten, den Heiland, dann dürfen wir darauf schauen, was wir selbst dazu beigetragen haben, dass wir einen Friedefürsten brauchen, einen Heiland, der die Welt wieder heilt.
Und mit einem Mal können wir erkennen, warum wir einander einen „besinnlichen Advent“ wünschen oder von einem „besinnlichen Advent“ reden. Damit ist die Vorstellung verbunden, wieder zu Sinnen zu kommen, sich auf das zu besinnen, worauf es wirklich im Leben ankommt, was wirklich wichtig ist, nämlich unsere eigene Haltung zu unserem Nächsten, unsere eigene Haltung zu dieser Welt und damit unser eigenes Verhältnis zu Gott und was dieser Glaube wirklich – also bewirkend – in meinem Leben bedeutet.
Seien wir doch ehrlich über unsere Situation. Uns laufen die Menschen davon, weil sie nicht mehr die existenzielle Relevanz von Gott erkennen, weil sie mit uns als Kirche nichts mehr anzufangen wissen und sie nur als Kostenfaktor in ihrer Steuererklärung und damit Einsparfaktor identifizieren.
So, und wenn ich mir dann anschaue, was Johannes sonst noch für flotte Sprüche auf Lager hat, dann weiß ich, wie es um diese Welt bestellt ist, wie es um die Welt zu seiner Zeit bestellt war:
Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Lukas 3,9
Auch solche Sätze machen deutlich, wie soft und zurückhaltend wir als Predigerinnen und Prediger heute geworden sind. Auch wenn wir klare Worte finden, zu solch klaren Worten gehört Mut, Glaubensmut. Und genau diese Klarheit hat die Menschen damals überzeugt. Johannes hat nicht um den heißen Brei herum gepredigt, sondern mittenrein ohne Rücksicht auf Verluste ist er ins volle Risiko gegangen, weil er wusste, wie es um ihn herum aussah. Und das Verrückte war, dass sich die Menschen zu Tausenden haben taufen lassen. Zu Zigtausenden sind sie umgekehrt und haben sich damit der Menschenmacht entzogen und der Macht Gottes wieder unterstellt. Das konnte den hohen Herren damals nicht gefallen.
Und mal ganz ehrlich? Wollen wir als Kirche der Macht gefallen? Wollen wir reden wie Parteien? Nein!!! Wir haben von Jesus Christus eine ganz einfache Botschaft mit auf unseren Lebensweg bekommen, nämlich unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst und Gott von ganzem Herzen und aller Kraft.
Davon sind wir in dieser Gesellschaft als Ganzes doch ein ganzes Stück entfernt und so manches Wahlergebnis hält uns das auch deutlich vor Augen. Die Menschen erhoffen sich Rettung von den falschen Seiten. Jesus Christus hat uns deutlich den Weg gezeigt, der zum Frieden führt, auch zum sozialen Frieden.
Johannes fordert auch uns heute mit den gleichen Worten auf, das zu tun, wozu er schon die Menschen zu seiner Zeit aufgefordert hat:
Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Lukas 3,8
Rechtschaffene Früchte der Buße bedeutet, aus der Einsicht auch ein fruchtbringendes Verhalten zu entwickeln. Die Einsicht hat die Tat zur Folge. Und genau darin liegt die Verantwortung, die jede und jeder einzelne von uns hat.
Ich habe dieser Tage in Dietrich Bonhoeffers Buch „Nachfolge“ einen Satz gelesen, der mich mitten ins Herz getroffen hat:
„Gott wird uns einmal nicht fragen, ob wir evangelisch gewesen sind, sondern, ob wir seinen Willen getan haben.“
Es geht um den Willen Gottes, den es zu tun gilt und genau daran erinnert uns Johannes, wenn er unsere Verlogenheit anspricht, unsere Selbstgerechtigkeit, unseren Egoismus, unsere Gottvergessenheit im Alltag, wenn wir das Glaubensbekenntnis sprechen und dem keine Taten folgen lassen… Johannes hält uns vor Augen, dass nicht Gott am Zustand dieser Welt verantwortlich ist, sondern wir, die Menschen, die nicht seinen Willen tun.
Den Change in unserer Gesellschaft bewirkt nicht die Politik. Den Change, die Umkehr in unserer Gesellschaft bewirken wir, die wir den Willen Gottes tun. Und wir werden die rechtschaffenen Früchte dieses Change erkennen. Je mehr sich von uns in dieser Gesellschaft einsetzen und sagen, warum sie das tun, was sie tun, wird die Verantwortung des einzelnen erkennbar. Wenn wir nicht nur reden, sondern handeln – und Handeln bedeutet nicht das Kreuz, dass wir auf einem Wahlzettel machen, sondern das Kreuz Jesu zu tragen. Das bedeutet aktiv für die Nächstenliebe einzutreten. Buße bedeutet Einsicht und Bewusstseinswandel. Buße bedeutet die Einsicht, dass die Liebe zum Mitgeschöpf der Schlüssel zum Frieden und auskömmlichen Leben ist und nicht die Spaltung. Das Teilen überwindet die Spaltung.
Als die Menge Johannes fragt, was sie denn tun sollen, antwortet er:
Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso. Lukas 3,11
Viele von uns tun das schon, wenn sie z.B. Lebensmittel zur Tafel bringen oder bei der Tafel mitmachen oder Geld spenden.
Das Teilen und das Mitteilen überwinden die Spaltung in unserer Welt. Den Willen Gottes zu unserem eigenen Willen und damit Tun werden zu lassen, wird diese Welt friedlicher machen.
Und wenn wir sehen, wie erfolgreich der Hass in dieser Welt ist, der medial wie ein Virus durch die Welt geht, der durch Bots und Algorithmen sich epidemisch ausbreitet, sollte uns das nicht an den Rand der Verzweiflung treiben, sondern zu der Einsicht führen, dass die Liebe viel erfolgreicher sein kann, wenn sie unser Handeln, unser beispielhaftes Reden im realen, leibhaftigen Miteinander und im Posten in den sozialen Medien bestimmt und damit am Ende sogar die Algorithmen bestimmen kann und den Bots die Macht nimmt. Ja, es liegt in unserer Hand. Auch wir können die Algorithmen bestimmen, je mehr wir das Gute suchen, das Gute tun, das Gut erzählen und damit dem Willen Gottes Raum in unserem Leben geben. Es sind auch unsere Lobgesänge, so wie Zacharias und Maria es getan und wir heute gehört haben, die diese Welt verändern.
Lasst uns das miteinander tun, wozu uns der Tagesspruch für den 3. Advent einlädt:
Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig. Jesaja 49,3-10
Amen.
Pfarrer Martin Dubberke
Predigt am 3. Advent 2025 – am 14. Dezember 2025 in der Johanneskirche zu Partenkirchen, Perikopenreihe II mit einer Predigt über Lukas 3,3-14.19.
Kontakt & Feedback
Wenn Sie mit mir Kontakt aufnehmen wollen oder mit mir ins Gespräch kommen möchten oder ein Feedback zu meiner Predigt geben wollen, schreiben Sie mir bitte einfach eine kurze Nachricht:
Kleiner Buchtipp am Rande
Ihr erhaltet das Buch in der Buchhandlung Eures Vertrauens oder:- als gebundene Ausgabe direkt beim Verlag
- als eBook bei der Buchhandlung meines Vertrauens
- oder als gebundene Ausgabe oder eBook bei Amazon



