Martin Dubberke | Pfarrer

Begnungen in Tilsit

Zwölf Uhr in Sowjetsk – bekannter unter dem Namen Tilsit. Wir stehen vor dem Hotel Rossija, nachdem wir nach zwölf Stunden Autofahrt noch zwei Stunden in unseren Hotelbetten geschlafen haben. In einer viertel Stunde haben wir unseren Termin beim Bürgermeister der Stadt. Wir müssen nur quer über den Platz hinter Lenins Rücken am Elch vorbei.

Nicht nur das Büro ist neu, sondern auch der Bürgermeister. An der Wand hängt kein Medvedev mehr, sondern große Stadtansichten vom alten Tilsit. Ein junger dynamischer Politiker, freundlich, der uns seine Vision von einem Tilsit der Zukunft entfaltet und sich dankbar freut, dass der LAFIM schon seit zwölf Jahren der Stadt so eng freundschaftlich verbunden ist und mit unserer Unterstützung so viel bewegt werden konnte. Er nennt uns Freunde. Auf die Rückseite seiner Visitenkarte schreibt er seine private Nummer, damit wir ihn vor unserem nächsten Besuch kurz anrufen können, weil er uns dann gerne zum Essen einladen möchte.Uns erreicht auch der Dank des Sozialministers des Oblast Kaliningrad. Und in der Tat, wenn man sich das Kinderheim Delphin Kroschka oder das Altenheim Nr. 1 anschaut und die Bilder über die Jahre vergleicht, ist viel passiert und jede und jeder im LAFIM, der Monat für Monat für das Projekt spendet oder sich statt eines Geschenks Spenden für Tilsit zum Geburtstag wünscht, hat zum Erfolg des Projekts beigetragen. Dafür sagen wir alle Danke. Mit den Spenden des vergangenen Jahres konnte eine neue Großwaschmaschine angeschafft werden, die zu einer enormen Entlastung beigetragen hat. In diesem Jahr hat die Heißmangel ihren Geist aufgegeben.

Bei der Vielzahl von Flachwäsche , die hier anfällt, wurde das zu einem echten Problem. Mit Ihren Spenden, konnten wir hier Abhilfe schaffen.Das Altenheim in Tilsit ist deutlich größer als unsere Evangelischen Seniorenzentren. In dem Komplex wohnen 275 Menschen, von denen 134 bettlägerig und auf Pflege angewiesen sind. 73 Bewohner können sich noch selbst versorgen. Vierzig Menschen haben eine Alkoholproblematik oder sind ehemalige Gefängnisinsassen. Es gibt keinen anderen Ort für Sie. Also werden sie hier untergebracht. Auch 28 Jugendliche wohnen hier – in der Regel mit Behinderungen als Folge elterlichen Alkoholismus . Von den 275 Menschen, die hier wohnen, sind insgesamt 180 behindert. 25 davon sind junge Behinderte, die auch arbeiten gehen und dafür Geld bekommen. Zu den Behinderungen gehören psychische wie physische, aber es wird hier praktisch nicht differenziert, was natürlich auch Auswirkungen auf die Betreuung hat. Sie werden von 200 Mitarbeitenden betreut. Daher haben wir u.a. auch eine Kollegin nach Brandenburg eingeladen, um sich im Herbst für eine Woche die Arbeit mit Menschen mit Behinderung bei Fliedners anzuschauen. Diese Hospitationen sind von großer Bedeutung, weil sie sehr großen Einfluss auf die Veränderungen im Altenheim Nr. 1 haben.