Martin Dubberke | Pfarrer

Merci

Ich mag Werbespots, wenn sie so schöne kleine Geschichten erzählen, wenn in dreißig Sekunden ein ganzes Leben erzählt wird, die Musik einen etwas einlullt, ein Ach-wie-schön-Seufzer-Schauer durch den Körper geht und sich vielleicht auch noch eine kleine Sehnsuchtsträne ins Auge schleicht, weil es so ans Herz geht.

Du bist der hellste Punkt an meinem Horizont.

Du bist der Farbenklecks in meinem Grau in Grau.

Du bist in meiner Winterzeit der Sonnenstrahl.

Du bist in meinem Lieblingslied die Melodie.

Du hast die Wärme, meine Eiszeit aufzutauen.

Du hast die Stärke, meiner Schwäche zu vertrauen.

Merci, dass es Dich gibt!

Und an dieser Stelle setzt dann das Orchester voll ein mit Streichern und einem Saxophonsolo. Emotionen pur. Schöner kann man nicht Danke sagen.

Ja, ich gestehe es. Ich bin der Werbung für diese herzliche Schokolade verfallen. Und das nicht nur, weil sie so unendlich schön ist, sondern auch, weil sie die Sinne dafür schärft, wofür man sich alles bedanken kann und dass es nicht der Brillantring sein muss, sondern eine einfache Schokolade reichen kann, eine einfache kleine Geste, die sofort verstanden wird. Danke, dass es Dich gibt.

Die Macher dieser Werbung lenken den Blick auf das, was uns immer so selbstverständlich scheint, den Nachbarn, der immer mein Paket annimmt, wenn ich nicht da bin, die Kollegin, die mir mehr als eine Kollegin ist, der Freund, mit dem ich seit Kindertagen verbunden bin, meinen Vater, meine Mutter, alle, die wie selbstverständlich für mich da sind oder waren.

Ich liebe diese Spots, weil sie wie eine kleine Andacht sind, weil sie wie kleine Lehrstücke in Achtsamkeit und Wertschätzung sind.

Dank ist Wertschätzung, ist das Wahrnehmen des anderen und dessen, was er für mich ist und mir bedeutet. Dank ist aktive Nächstenliebe.

Es gibt aber nicht nur den anderen Menschen, dem ich Danke sagen kann und darf, sondern es gibt da noch jemand anderes, dem ich ruhig Danke sagen kann, weil es mich gibt, weil es mir gut geht, weil ich glücklich bin, gesund bin, eine gute Frau und wunderbare, gesunde Kinder habe, Freunde, die mich nicht im Regen stehen lassen und einen Chef habe, der mich nicht ärgert. Daran ist der liebe Gott nicht so ganz unschuldig.

Da darf einem auch ruhig mal ein

«Halleluja! Ich danke dem HERRN von ganzem Herzen im Rate der Frommen und in der Gemeinde.»

rausrutschen. Das ist Psalm 111, 1. Ist – nebenbei gesagt – die Losung für heute.

Na, und wem werden Sie heute sagen „Merci, dass es Dich gibt!“