Martin Dubberke | Pfarrer

Helfen macht glücklich

Auf meinem Handy kommen jeden Tag viele Nachrichten an.

Die Nachrichten haben diese Überschriften:

  • Messer-Attacke in Paris – Ein Toter und zwei Schwer-Verletzte.
  • Messer-Attacke im Festzelt
  • Fußgänger steigen über verletzten Mann rüber

Jeden Tag geschehen in der Welt schlimme Geschichten.

Jeden Tag sehen Menschen über das Leid anderer Menschen hinweg.

Ganz viele Menschen denken nur an sich selbst.

Und das macht sie blind für andere Menschen.

Manche Menschen sagen:

Ich helfe nur meinen Freunden.

Manche Menschen sagen auch:

Ich helfe nur Deutschen.

Andere Menschen sagen:

Allen Menschen in Not muss geholfen werden.

Das war auch schon zur Zeit von Jesus Christus so.

Darum erzählt Jesus die Geschichte vom barmherzigen Samariter.

 

Aber zuerst muss ich einmal tief durchatmen.

 

In den Samariteranstalten über den barmherzigen Samariter zu predigen ist eine besondere Herausforderung.

Und so habe ich mich gefragt, was erzählen mir die Samariteranstalten über den barmherzigen Samariter?

Und dabei ist mir das Altarbild aufgefallen.

Das Altarbild verkürzt die Geschichte vom barmherzigen Samariter auf das Wichtige.

Das Altarbild hinter mir stellt die Geschichte vom Helfen in den Mittelpunkt.

Und das gefällt mir sehr gut.

Auf dem ersten Bild liegt ein Mann auf der Erde.

  • Der Mann ist verletzt.
  • Er blutet aus vielen Wunden.
  • Er blutet am Kopf
  • Er blutet an den Armen.
  • Er blutet an den Beinen.
  • Und er blutet am Bauch.
  • Räuber haben dem Mann weh getan.
  • Räuber haben den Mann auf den Kopf geschlagen.
  • Räuber haben den Mann in den Bauch getreten.

Der verletzte Mann liegt alleine auf dem Weg.

Niemand ist da.

Niemand hilft.

Der verletzte Mann hat Angst.

Er hat starke Schmerzen.

Er fühlt sich hilflos.

Er fühlt sich allein.

Er rechnet mit seinem Tod.

Auf dem zweiten Bild kommt ein Mann mit einem Pferd.

Das ist der barmherzige Samariter.

Der barmherzige Samariter geht den gleichen Weg wie der verletzte Mann.

Der barmherzige Samariter lächelt.

Dem barmherzigen Samariter geht es gut.

Der barmherzige Samariter ist ein freundlicher Mann.

Auf dem dritten Bild kniet der barmherzige Samariter beim verletzten Mann.

Der barmherzige Samariter ist dem verletzten Mann ganz nah.

Der barmherzige Samariter hilft dem verletzten Mann.

Und das macht beide glücklich.

Das kann ich sehen.

Weil beide Männer lächeln.

 

Das Altarbild erzählt mir:

Helfen macht glücklich.

Das ist eine sehr wichtige Botschaft.

 

Jesus erzählt aber auch von zwei anderen Männern.

Die zwei anderen Männer sehen wir nicht auf dem Altarbild.

Sie haben den verletzten Mann liegen lassen.

Sie sind auf ihrem Weg einfach weiter gegangen.

Dafür kann es viele Gründe geben.

Sie haben sich vielleicht vor dem ganzen Blut geekelt.

Oder sie wollten schnell ihr Ziel erreichen.

Oder der verletzte Mann ist ihnen egal gewesen.

Die beiden Männer haben die große Freude beim Helfen verpasst.

Sie haben auch die Dankbarkeit vom verletzten Mann verpasst.

Vielleicht hatten die beiden Männer auch Angst vor den Räubern.

Solche Ängste kennen wir heute auch.

Ich habe auch manchmal Angst, dass mir etwas passiert.

Und manchmal setzt diese Angst auch aus.

Das habe ich vor ein paar Tagen am eigenen Leib erfahren.

Da ist eine alte Frau auf dem Kurfürstendamm hingefallen.

Das ist eine große Straße in Berlin.

Die Ampel war schon rot.

Und ich bin einfach auf die Straße gerannt.

Weil die alte Frau meine Hilfe gebraucht hat.

Sie ist in diesem Moment meine Nächste gewesen.

Ich half ihr beim Aufstehen

Und brachte sie auf den sicheren Fußweg.

 

Sie hat sich bei mir bedankt.

Und hat geweint.

Weil sie Angst vor den Autos hatte.

Sie hatte nicht mit Hilfe gerechnet.

So hatten wir beide eine überraschende Begegnung miteinander.

 

In der Geschichte vom barmherzigen Samariter steht:

Du sollst Gott lieben von ganzer Seele.
Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen.
Du sollst Deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Mit der Geschichte vom barmherzigen Samariter lerne ich:

  • Ich kann mir meinen Nächsten nicht
  • Mein Nächster muss nicht mein Freund sein.
  • Mein Nächster muss nicht mein Bruder sein.
  • Mein Nächster kann ein ganz Fremder sein.
  • Ich kann mir auch nicht die Zeit aussuchen.
  • Wenn mein Nächster meine Hilfe braucht.
  • Mein Nächster steht vor mir.
  • Mein Nächster braucht mich.

Mit der Geschichte vom barmherzigen Samariter lerne ich:

  • Liebe ich Gott, liebe ich auch meinen Nächsten.
  • Liebe ich meinen Nächsten, liebe ich auch Gott.

Mein Nächster ist wie ich.

Und ich bin wie mein Nächster.

Alle Menschen sind von Gott geschaffen.

Deshalb ist jeder Mensch mein Nächster.

Das kann ein Mensch aus Fürstenwalde sein.

Das kann auch ein Mensch aus Berlin sein.

Aber auch ein Mensch aus Syrien kann mein Nächster sein.

Mein Nächster braucht mich.

Und ich brauche meinen Nächsten.

In der Bibel sagt Jesus in schwerer Sprache:

„Ein Samariter aber,
der auf der Reise war,
kam dahin;
und als er ihn sah,
jammerte er ihn.“

Damit meint Jesus:

Leidet dein Nächster, leidest du auch.

Wir sind weltweit alle aufeinander angewiesen.

Das hat Gott ganz toll gemacht.

Der barmherzige Samariter hat beim verletzten Mann erste Hilfe geleistet.

Er hat die Wunden mit Öl und Alkohol gereinigt.

Er hat die Wunden verbunden.

Auf dem Altarbild sehen wir den Mann liegen.

Seine Beine und Arme waren sicherlich gebrochen.

Er musste also liegen bleiben.

Der Mann war auf noch mehr Hilfe angewiesen.

Der Mann hat ein Bett gebraucht.

Er hat Brot und Wasser gebraucht.

Und er hat Pflege gebraucht.

Dafür musste der Samariter eine Lösung finden.

Weil der Mann sonst auf der Straße stirbt.

Also hat der Samariter den Mann vorsichtig auf sein Pferd gelegt.

Und hat den Mann in eine kleine Herberge gebracht.

Eine Herberge ist ein kleines Hotel.

Dort konnte der Mann wieder gesund werden.

Dafür hat der Samariter dem Gastwirt Geld gegeben.

 

Ich lerne noch etwas aus dieser Geschichte:

Der Samariter hat auch Hilfe beim Helfen gebraucht.

Also hat er einen Hilfeplan aufgestellt.

Dann hat er die Kosten für die Pflege berechnet.

Pflege kostet nämlich Geld.

Dabei hat er den Gastwirt vor zu hohem Kostendruck bewahrt.

Weil er versprochen hat die Deckungslücke zu bezahlen.

Dadurch hatte der verletzte Mann zum Gesund werden genug Zeit.

 

Und schließlich lerne ich noch etwas aus der Geschichte.

Nächstenliebe fordert mich auch heraus.

Andere Menschen anzunehmen,

ist nämlich manchmal schwierig.

Nächstenliebe macht mich selbst stark.

Weil ich meinen Nächten liebe wie mich selbst.

Weil mein Nächster mich liebt.

Nächstenliebe lässt mich Lösungen finden.

Nächstenliebe lässt mich ein gutes Wort finden.

Wenn es meinem Nächsten schlecht geht,

kann ich zu ihm sagen:

Du bist nicht allein.

Ich bin bei Dir.

Wir finden weitere Hilfe.

In diesem Moment werde ich meinem Nächsten zu einem Teil von Gottes tröstender Liebe.

Amen.

 

Predigt in Leichter Sprache am 13. Sonntag nach Trinitatis am 26. August 2018 Predigtreihe IV – abweichen Lukas 10, 25-37