Martin Dubberke | Pfarrer

Gottes Gerechtigkeit spült das Böse geradezu hinweg

Gedanken zur Losung vom 30. November 2011

Ich liebe die starken Bilder der Bibel. Sie gehen ganz tief nach innen und entfalten dort ihre Wirkung. Lösen Wohligkeit oder Unbehagen aus. In diesem Fall spüre ich sofort eine große Ruhe. Ich erinnere mich daran, wie ich im Sommer auf der russischen Seite der Memel stehe und nach Litauen rüber schaue. Ein Fluss zwischen zwei Nachbarn, zwei Welten, zwei Systemen. Ein Fluss, der trennt und doch auch verbindet. Dem Fluss sieht man es nicht an. Er strömt ruhig und entspannt Richtung Ostsee. Ein Fluss, der viel erlebt und gesehen hat und ebenso viel erzählen könnte. Ich stehe am Ufer des Flusses, wir versuchen, ein paar flache Steine über das Wasser springen zu lassen. Es klappt nicht.

Ich kann es nicht mehr, bin aus der Übung und ziehe mich ein wenig zurück, lasse den Blick und die Gedanken schweifen. Woher kommt diese Ruhe? Ist es das unaufgeregte, gleichförmige Fließen des Stromes, das einen hypnotisch einzulullen droht? Flüsse scheinen ein ganz natürliches Beruhigungsmittel zu sein. Wahrscheinlich ist das der Grund, weshalb an allen Flussufern der Welt Parkbänke stehen? Ich bücke mich und greife nach einem größeren Stein, den ich im Wasser entdecke. Nehme ihn und schließe ihn in meine Hände ein. Er ist rund, glatt, abgeschliffen. Das macht das Wasser. Er hat keine Kanten und scharfen Ecken mehr, an denen man sich verletzen könnte. Er fühlt sich angenehm an. Ein echter Handschmeichler. Ich stecke den Stein in meine Tasche und nehme ihn für meine Mutter mit, die hier aufgewachsen ist. Vor 66 Jahren war das hier noch die Heimat meiner Familie. Heute stehe ich hier am Ufer, genieße die Weite der Landschaft und den Frieden, den sie ausstrahlt. Ich bin dankbar, dass dieses Ostpreußen nichts mehr ist, was ich nur aus den Erzählungen kenne. So seltsam es klingen mag, aber von Anfang an kam mir die Landschaft vertraut vor und ich fühlte mich auf seltsame Weise nicht fremd. Die Memel strömt. Sie hat so viel erlebt. Wir haben hier Freunde. Es ist Frieden, wenn auch nicht alles Gold. Aber irgendwie müssen wir uns doch an seine Gebote gehalten haben.

Neben der Urkraft der Ruhe bedient sich Jesaja aber auch der Urkraft des Wassers. Gottes Gerechtigkeit ist wie die Wellen des Meeres. Stark, alles niederwerfend und wegspülend, das sich ihr in den Weg stellt. Wenn wir uns an seine Gebote halten, wird uns diese Kraft, der nichts gewachsen ist, begleiten. Gottes Gerechtigkeit bricht alle Widerstände. Gottes Gerechtigkeit reinigt die Welt vom Übel, spült das Böse geradezu hinweg. Und für uns gibt es nur zwei Möglichkeiten, entweder unter dieser Welle unterzugehen, weil wir seine Gebote nicht halten, oder sie zu halten und auf der Welle der Gerechtigkeit Gottes zu reiten und zum Ziel zu kommen, dem Frieden, der wie ein Wasserstrom ist.

Amen.

O dass du auf meine Gebote gemerkt hättest, so würde dein Friede sein wie ein Wasserstrom und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen.
Jesaja 48,18

Paulus schreibt an Timotheus: Halte dich an das Vorbild der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe in Christus Jesus. 2.Timotheus 1,13