Pfr. Martin Dubberke
2. Sonntag nach dem Christfest 2026 | Bild: Martin Dubberke & KI

Welche Macht bestimmt unser Leben – Angst oder Hoffnung?

Liebe Geschwister, von welchen Mächten sind wir umgeben? Und von welchen Mächten lassen wir uns leiten? Welche Mächte bestimmen eigentlich unser Leben?

Spätestens seit dem 24. Februar 2022, als Putin die Ukraine überfiel, stellt sich uns diese Frage. Welcher Kompass steuert unsere Wege?

Seit einigen Tagen brodelt es wieder ganz offen im Iran. Die Menschen gehen auf die Straße und damit ein großes Risiko für Leib und Leben ein. Und schon wieder reden Analysten davon, dass das Regime nach 47 Jahren fallen könnte. Doch wird es fallen? Und wenn ja, was kommt danach?

In der Nacht von Freitag auf Samstag hat US-Präsident Trump einen militärischen Angriff auf Venezuela ausgelöst – oder wie es sein Außenminister nennt „Polizeimission“ – und den Präsidenten dieses Landes, der nicht auf demokratische Weise in seinem Amt geblieben war, gefangen genommen und außer Landes gebracht, um ihm und seiner Frau in New York den Prozess zu machen.

Und dann ist da noch immer der Krieg in der Ukraine und auch in Gaza der Konflikt zwischen Israel und der Hamas – auch wenn man da gerade nicht so viel mitbekommt.

Die EU und auch unsere Regierung scheint mit all dem überfordert zu sein. Das alles ist kein Anklagen, sondern nur das Beschreiben der Verhältnisse, in denen wir leben, die uns allen miteinander über den Kopf zu wachsen scheinen.

Es gibt Tage, da frage ich mich, wann ich endlich aus diesem Traum erwachen werde. Aber es ist kein Traum, sondern bittere Realität. Es ist genau die Situation, aus der heraus wir heute den Predigttext aus dem Propheten Jesaja hören:

Die frohe Botschaft von der kommenden Herrlichkeit

1 Der Geist Gottes des HERRN ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; 2 zu verkündigen ein gnädiges Jahr des HERRN und einen Tag der Rache unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden, 3 zu schaffen den Trauernden zu Zion, dass ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, schöne Kleider statt eines betrübten Geistes gegeben werden, dass sie genannt werden »Bäume der Gerechtigkeit«, »Pflanzung des HERRN«, ihm zum Preise.
10 Ich freue mich im HERRN, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt.
11 Denn gleichwie Gewächs aus der Erde wächst und Same im Garten aufgeht, so lässt Gott der HERR Gerechtigkeit aufgehen und Ruhm vor allen Völkern.

Jesaja 61,1-3.10-11

In der Luther-Übersetzung ist dieser Textabschnitt mit den Worten „Die frohe Botschaft von der kommenden Herrlichkeit“ überschrieben. Und das macht mir persönlich schon mal grundsätzlich Mut in einer Zeit, die mich mehr und mehr fordert, die uns alle mehr und mehr fordert.

Und damit sind wir den Menschen ganz nah, an die ursprünglich mal diese Worte aus dem Jesaja gerichtet wurden.

Und das war in der Zeit nach dem Babylonischen Exil. Ein Teil des Volkes war wieder in die Heimat zurückgekehrt, aber Armut, politische Abhängigkeit und innere Spannungen bestimmten das Leben der Menschen. Der Aufbau des Tempels, der die Menschen miteinander verbindet und gemeinsame Identität stiftet, war mühselig und ging nicht wirklich voran.

Und genau in diese Situation hinein tritt eine prophetische Persönlichkeit auf, die „gesalbt“ ist mit dem Geist Gottes, um den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen. Gott will, dass wieder die Gerechtigkeit aufgeht und von allen Völkern gesehen werden kann, dass er es kann, dass es mit der Gerechtigkeit funktionieren kann.

Das ist doch schlussendlich auch die Hoffnung, aus der heraus wir Christinnen und Christen leben. Vor nicht einmal zwei Wochen wurden wir wieder in der Heiligen Nacht daran erinnert, in der Nacht, in der der Friedefürst, der Heiland, der Heilsbringer Jesus Christus, der Sohn Gottes geboren wurde. Und wer an dem Abend dabei gewesen ist, kann sich erinnern, dass in diesem Jahr die Johanneskirche nicht nur voll, sondern übervoll und damit voller als sonst war. Es war genau diese Sehnsucht, die die Menschen in die Kirche getrieben hatte, die Sehnsucht nach dieser heilen Welt, die Sehnsucht nach dem Heilwerden dieser Welt.

Jesaja macht deutlich, dass es nicht um eine triumphale Nationalpolitik geht, sondern um Gottes Zuwendung zu den Menschen, die elendigen Verhältnissen leben, wirtschaftlich wie politisch, dass es um die Menschen geht, die an den Verhältnissen zerbrochen sind, um die Menschen die gefangen und gebunden sind durch die Verhältnisse. Gott wendet sich den Menschen zu, die entmutigt sind. Er nimmt sich ihrer an. Und er tut dies nicht, indem er ihnen Geld in die Hand drückt, sondern indem er ihnen Mut macht, ihr Leben zu leben, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Er gibt sich als die gute Macht zu erkennen, die Dietrich Bonhoeffer in der dunkelsten Zeit seines Leben Lebens mit Worten beschrieben hat, die wir alles auswendig können. Und wir können diese Worte deshalb auswendig, weil wir in ihnen die Kraft spüren, die unser Glaube an den dreieinigen Gott noch immer in uns auslösen kann, die Zuversicht und die Hoffnung, dass alles gut wird, die Kraft, die uns in dieser Zeit nicht untergehen lässt in Depression und Aufgabe, sondern uns aufrichtet und miteinander darin verbindet, aus dieser Hoffnung heraus zu leben und andere Menschen auf diesen Weg der Befreiung mitzunehmen, der deutlich macht, wer die eigentliche Macht in unserem Leben und über unser Leben hat. Und genau diese Freiheit, Hoffnung und Zuversicht hat Dietrich Bonhoeffer gespürt und versucht seiner Familie mit auf den Weg zu geben:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Dietrich Bonhoeffer

Amen.

Pfarrer Martin Dubberke

Pfarrer Martin Dubberke | Bild: Johannes Dubberke
Pfarrer Martin Dubberke | Bild: Johannes Dubberke

Predigt am 2. Sonntag nach dem Christfest – am 4. Januar 2026 in der Markuskirche zu Farchant under Johanneskirche zu Partenkirchen, Perikopenreihe II mit einer Predigt über Jesaja 61,1-3.10-11.

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