Martin Dubberke | Pfarrer

Zu Herzen nehmen

„Nimm es Dir endlich zu Herzen!“ – Ich kann mich noch gut erinnern, wenn mein Vater oder meine Mutter diesen Satz zu mir sagte, dann war die Grenze der äußersten Geduld erreicht. Heute erlebe ich es manchmal, dass ich zu einem meiner Söhne sage: „Kannst Du Dir das nicht endlich mal zu Herzen nehmen?“

In beiden Fällen ist es so, dass man sich mit seiner Geduld am Ende wähnt, so dass in dem Satz die Botschaft und Hoffnung mitklingt: „Gott, wie oft soll ich es Dir noch sagen, bis es bei Dir endlich ankommt?“

Sich etwas zu Herzen nehmen, ist eigentlich ein ganz tolles Bild. Ich nehme mir etwas zu Herzen, lege es in mein Herz hinein und sofort pumpt es das Herz mit dem Blut bis in die äußersten Regionen meines Körpers, meines Seins. Am Ende, bin ich vollkommen durchdrungen von dem, was ich mir zu Herzen genommen habe. Es ist ein Teil von mir, von meinem Sein. Das ist noch einmal etwas ganz anderes, als der auffordernde Vorwurf: „Kannst Du Dir das nicht endlich merken?!!“

Was ich mir zu Herzen genommen habe, kann ich nicht mehr vergessen, weil es für immer ein Teil von mir geworden ist.

Sich etwas zu Herzen zu nehmen, ist mehr, deutlich mehr, als sich etwas zu merken. Und damit ist es wichtiger als das, was man sich merken soll. Merken, ist nur ein Abspeichern, wie auf einer Speicherkarte. Zu Herzen nehmen bedeutet, dass es Teil meines Wesens wird und ich nie wieder in meinem Leben daran erinnert werden muss, weil es mir im wahrsten Sinne des Wortes in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Und genau das erhofften sich unsere Eltern, erhoffen wir selbst oder auch Gott, wenn wir sagen: „Nimm es Dir zu Herzen!“ Gott sagt es in der Losung dieses Tages noch mit deutlich mehr Nachdruck als unsereins, weil er das ganze Gewicht seiner göttlichen Persönlichkeit einbringt:

Diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden.
5. Mose 6,6-7

Gott gebietet es, sich seine Worte zu Herzen zu nehmen und er tut noch etwas: Das, was ich mir zu Herzen nehmen soll, gilt nicht nur für mich, sondern auch für meine Kinder. Es ist gleichermaßen ein Generationenauftrag. Was mir zum Wesen werden soll, soll auch zum Wesen meiner Kinder werden und dann zum Wesen der Kindeskinder und dann der Kindeskindeskinder und so bis heute. Auch für uns gilt das Gebot Gottes, das er uns geboten hat, uns zu Herzen zu nehmen. Wenn dieses Gebot heute zu unserem Wesen gehört, dann nur, weil es uns unsere Eltern eingeschärft haben, so wie wir es unseren Kindern einschärfen sollen.

Nun fragen Sie sich vielleicht, um welches Gebot sich handelt. Naja, eben das Gebot der Gebote, wie es im 5. Mose 6, 4-5 steht:

Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.

Und nun stellt sich die Frage, woran wir merken, dass uns dieses Gebot zum Wesen und nicht nur zu einer Plattitüde geworden ist. Die Messlatte nennt uns in diesem Fall der Lehrtext aus Jakobus 1, 22:

Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst.

Dem habe ich in aller Bescheidenheit nichts anderes hinzuzufügen als: Amen.

 

Wochenandacht im LAFIM  am 4. November 2015 über Losung und Lehrtext