Warten auf Allmen 3

Ich weiß ja nicht, was die Leute alle gegen diesen Sommer haben. Der ist doch fantastisch. Mein Garten ist dem Wetter dankbar. So saftig grün und stark war der Rasen noch nie, seit ich hier wohne und ihn pflege. Na, und was macht man, wenn es regnet und regnet? Man bastelt mit den Kindern und in der Wohnung. M.a.W. die besten Voraussetzungen, um ein Hörbuch zu hören oder präziser: einen Krimi. In diesem Fall Martin Suters “Allmen und der rosa Diamant (Allmen 2)” in der ungekürzten Fassung gelesen von dem herrlichen Gert Heidenreich. Mehr als viereinhalb Stunden ungetrübter Hörgenuss mit einer weiteren Kriminalgeschichte des nachtwandlerisch ermittelnden Herrn von Allmen mit Carlos seinem Dr. Watson, Mr. Stringer, kurz Companero. Mit dem neuen Hörbuch auf meinem iPod habe ich mich dann ans Streichen meiner langen, sehr langen Diele gemacht.

Es ist so wunderbar, wie der hochintelligente und sehr konservative Allmen mit den Mitteln der klassischen Konvention, exzellenter Bildung und einem Hauch von Hochstapelei seine Ermittlungen führt. Allmen, der ohne seinen Kompagnon und Butler Carlos wahrscheinlich auf halber Strecke liegen bleiben würde, weil dieser über ein ganz anderes Netzwerk und andere Fertigkeiten verfügt und vor allem nicht immer so schrecklich blauäugig wie Allmen die Sachen sieht, gewinnt mit der neuen Geschichte noch mehr Kontur und wird mehr und mehr zu einem krimiliterarischen Begleiter, den ich nicht mehr missen möchte. Ich liebe seinen intellektuellen Ansatz und die subversive kriminelle Energie der beiden Männer, die so schrecklich aufeinander angewiesen sind, weil beide alleine nicht wirklich lebensfähig wären. Der eine nicht, weil er einfach nicht mit Geld umgehen kann und sehenden Auges entspannt von einem Ruin in den nächsten geht und der andere, weil er ein Illegaler ist, der ohne Allmen wohl schon längst abgeschoben worden wäre. Beide zusammen ergeben Sie ein perfektes Paar. Carlos ist ein fantastischer Impulsgeber, der Allmen immer wieder in die richtige Richtung lenkt.

Allmen und der rosa Diamant fängt wie ein klassischer Detektivroman an. Allmen erweckt mehr Schein als Sein, wenn er seinen Mandanten in der Kanzlei eines Freundes empfängt und man fühlt sich ein wenig an Marlow erinnert, obwohl dieser ja in einem schäbigen Detektivbüro sitzt. Aber beide sind notorisch klamm und täuschen auf ihre eigene Weise über ihre wirkliche Existenz hinweg. Und wie auch bei Marlow scheint der Anlass der Ermittlungen etwas delikat, aber eigentlich harmlos. Allmen wird beauftragt einen Mann zu finden, der auf einer eleganten Party einen rosa Diamanten gestohlen hat. Das ist für Allmen genau das richtige, denn er ist ein Freund alles Schönen und Wertvollen.

Er nimmt den Fall an und wird bald erkennen, dass es sich bei diesem Diebstahl nicht um einen bloßen Diamanten handelt. Mehr und mehr wird aus diesem augenscheinlich harmlosen Fall ein echter Wirtschaftskrimi mit globalen Komponenten. Da gibt es einen Russen, die Engländer und Amerikaner und schließlich noch die Schweizer Bundespolizei.

Aber mehr sei hier nicht verraten. Einfach lesen oder hören, genießen und traurig sein, wenn die Geschichte vorbei ist, weil sie vorbei ist und man nicht weiß, wann es Allmen 3 gibt.

Und ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich bei Allmen 1 nicht wirklich geglaubt habe, dass Suter aus Allmen eine Serie machen wird. Aber nun hat er es gemacht und wird die Serie hoffentlich noch oft fortsetzen. Ich freue mich auf Allmen drei.

Diogenes Hörbuch
4 Std. 37 Min.
Erscheint im Aug. 2011

ISBN 978-3-257-80313-6