Martin Dubberke | Pfarrer

Zwei Groschen

Früher, wenn ich mal was ausgefressen hatte oder eine Klassenarbeit verhauen hatte, habe ich mich nicht so recht nach Hause getraut. Da wartete meine Mutter und so ein Kind will ja, dass die eigene Mutter es lieb hat. Also, wovor hat man dann Angst?Naja, sicherlich nicht vor der Hölle. Obwohl, so eine schimpfende Mutter ist kein Vergnügen. Sie alle wissen mit Sicherheit, wovon ich rede. Da kann im Ernstfall schon mal das Gefühl entstehen, auf Erden in  die Hölle geraten zu sein.

Und genau davor hatte ich Angst. Also, was habe ich in einer solchen Situation gemacht?

Ich bin in die Telefonzelle gegangen, die auf meinem Weg von der Schule nach Hause lag, habe zwei Groschen aus der Tasche gekramt, eingeworfen und 866… USW. mit der summenden Wählscheibe gewählt und wenn meine Mutter sich dann meldete, fragte ich: „Du Mama, Du hast mich doch lieb oder?“ Es folgte stets ein abwartendes und langgezogenes: „Ja…“, so dass ich gleich unausgesprochen die Frage hörte: „Was hast Du ausgefressen?“

„Naja,  irgendwie habe ich Pech mit der Klassenarbeit gehabt.“ Es war raus und ich fürchtete um ein fernmündliches Kopfabreißen. Stattdessen kam nur ein:

„Und?“

„Naja, es ist ’ne Vier Minus geworden.“

„Vier Minus ist keine Fünf. Komm nach Hause.“

Ich atmete auf und ein riesiger Stein fiel mir vom Herzen.

Ich war getröstet, fühlte mich angenommen und ich hatte eine neue Chance bekommen.

Und in der Tageslosung aus Jesaja 38, 17 geht es um nichts anderes. Ich muss mit Gott reden, auch wenn ich vielleicht Angst vor dem Gespräch und einem möglichen Donnerwetter  habe,  mich nicht vor ihm drücken, sondern mit ihm reden – offen und ehrlich – , und dann ist ein neuerlicher Anfang möglich.

«Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.»

Amen.