Martin Dubberke | Pfarrer

Wir haben allen Grund zur Freude

Was löst in Ihnen Freude aus? Worüber können Sie sich so richtig freuen? Oder gehören Sie zu den Leuten, die ganz schnell wissen, was sie wahnsinnig macht und sie überhaupt nicht mögen, worüber Sie sich so richtig aufregen können und das auch noch nach Stunden oder Tagen?

Also, ich kann Ihnen sofort sagen, was mich zur Weißglut bringen kann, z.B. ein Rechner, der langsam ist, nicht das macht, was ich von ihm will, so eine Maschine, die mich ohnmächtig fühlen lässt, weil all mein Wissen nicht hilft, den Zustand zu verändern und ich die Kiste am liebsten aus dem Fenster schmeißen würde. Es kann mich wahnsinnig machen, wenn meine Kinder auch nach der 184. Aufforderung immer noch nicht aufgeräumt haben und ich jetzt den Buhmann spielen muss. Und es gibt noch viel mehr Dinge in meinem Leben. Über die ich mich so richtig aufregen uns ereifern kann.

So, und jetzt sind Sie dran. Wenn wir hier heute morgen die Zeit dafür hätten, würde ich Ihnen einfach lauter kleine Zettelchen geben und Sie darum bitten, aufzuschreiben, was Sie wahnsinnig macht, was Sie kirre machen kann, wo Sie regelmäßig ausflippen könnten.

Ich glaube, wir wären eine Weile beschäftigt und wahrscheinlich würden auch die von mir vorbereiteten Zettelchen nicht reichen.

Und natürlich würden wir dann jedes einzelne Zettelchen, jedes einzelne Ärgernis einzeln und laut vorlesen. Und dann würden wir die ganzen Zettelchen auf einen Metaplaner pinnen und versuchen, die Gemeinsamkeiten herauszufinden.

Da gäbe es dann Personalärgernisse, Chefärgernisse, Familienärgernisse, Behördenärgernisse, Bahnärgernisse, Autofahrerärgernisse und vieles andere mehr.

Tja, und dann würde ich frecher Weise sagen: „Ja, das ist schon ganz nett, jetzt haben wir die Ärgernisse irgendwie gruppiert. Das ist auch nicht wirklich verkehrt, aber wir haben noch nicht festgestellt, was diese ganzen Ärgernisse miteinander verbindet.“

Dann würden Sie mich wahrscheinlich angucken und würden überlegen, was der dämliche Dubberke jetzt von Ihnen will und ich würde ganz freundlich grinsen, weil ich ja die Antwort kenne. Wahrscheinlich würde ich Ihnen jetzt noch ein paar Hilfestellungen in Form von Rätseln geben, bei denen Sie ein wenig um die Ecke denken müssten und wahrscheinlich sogar ein wenig meinen Spaß daran haben.

Gut, versuchen wir es mal mit einer Hilfestellung. Vielleicht ahnen Sie ja, worauf ich heute morgen hinaus will.

Wer hat denn mal ein Losungsheft oder ein Smartphone mit Losungsapp?

Dann schauen Sie doch mal nach, wie heute der Lehrtext heißt.

Genau!

Der Gelähmte sprang auf, konnte gehen und stehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.
Apostelgeschichte 3,8

Das ist die Lösung. Die Geschichte vom Gelähmten nennt uns das Gemeinsame all unserer Ärgernisse: Unfähigkeit. Beim Gelähmten war es die Unfähigkeit, zu gehen. Und bei den ganzen Ärgernissen, die wir so haben, werden wir mit unserer eigenen Unfähigkeit konfrontiert. Weil wir nicht in der Lage sind, das Ärgernis aufzulösen, ärgern wir uns darüber.

Das Ärgernis konfrontiert uns mit unserer Ohnmacht. Wir können nichts daran ändern, dass der Mensch vor uns mit seinem Auto in den Vordermann gefahren ist, wir nun im Stau hängen. Wir können uns über irgendwelche Steuererhöhungen oder Preissteigerungen ärgern, weil wir es nicht ändern können. Wir ärgern uns zuweilen über unsere Kinder, weil sie ihren eigenen Kopf haben und nicht so wollen, wie wir es gerne hätten. Wir ärgern uns am Ende aber nicht über die Kinder, sondern über uns, weil wir es nicht vermocht haben, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Das ist bei Mitarbeitenden manchmal auch nicht viel anders.

Immer, wenn wir uns ärgern, befinden wir uns in der Situation des Gelähmten. Wir können nichts machen. Wir sind auf andere angewiesen, die uns gewissermaßen zur Lösung hintragen. So wie es die Freunde des Gelähmten gemacht haben, die ihn zu Petrus und Johannes getragen haben.

Und was sagt Petrus der Menge, nachdem er dem von Geburt an gelähmten Mann zum Gehen verholfen hat?

„durch den Glauben an seinen Namen [nämlich Jesus Christus] hat sein Name diesen, den ihr seht und kennt, stark gemacht; und der Glaube, der durch ihn gewirkt ist, hat diesem die Gesundheit gegeben vor euer aller Augen.“
Apostelgeschichte 3,16

Ich sehe schon. Sie merken, worauf ich hinaus will.

Einmal tief durchatmen, den Ärger für einen Moment genießen – weil Ärger ja auch ein wenig Spaß machen kann – und dann überlegen: Was könnte ich jetzt von Jesus lernen? Wie hätte er in dieser Situation reagiert? Gibt es da nicht ein cooles Gleichnis?

Und schon habe ich eine tolle Idee für eine Seminarreihe oder einen Coachingkurs: Schlagfertigkeit nach der Jesus-Methode.

Jesus hat immer eine gute und passende Antwort auf Lager gehabt. Denken wir nur mal an die Geschichte mit dem Ährenraufen am Sabbat.

So, und wenn ich dann auch noch kurz an das „liebe deinen Nächsten wie Dich selbst“ denken, dann weiß ich auch, dass es mir erlaubt ist, sich auch mal in meinen Nächsten hineinzufühlen. Und dann kann ich vielleicht erkennen, dass der, der mich ärgert auch eine Lähmung hat. Und schon haben wir etwas gemeinsam. Und Gemeinsamkeiten verbinden.

Also, mit anderen Worten: Mit Jesus und dem HERRN im Rücken, können wir den lähmenden Ärger als das erkennen, was er ist: Eine Chance.

Tja, und was lehrt uns dann die Losung?

Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsers Heils!
Psalm 95,1

Genau! Wir haben allen Grund zur Freude, weil wir den Herrn haben, der der Hort unseres Heils ist. Und das heißt im Umkehrschluss, dass wir ohne ihn ganz schon aufgeschmissen wären.

Amen.

Morgenandacht am 5. Juni 2014 über Tageslosung und Lehrtext