Wieso Enttäuschung?

Papst Benedikt nennt die Kernaufgabe gelingender Ökumene

Basislogo_Papstbesuch_rgb_printBerlin, 23.09.2011 | Zeit-Online hat heute eine dpa-Meldung aufgenommen, die die Überschrift “Papst enttäuscht Hoffnung auf mehr Ökumene” trägt. Hier frage ich als evangelischer Theologe ernsthaft, worin die Enttäuschung liegen soll. Es war doch nicht zu erwarten, dass plötzlich Protestanten und Katholiken offiziell gemeinsam das Abendmahl feiern dürfen. Wer das, vor allem als protestantischer Theologe oder Würdenträger wie der EKD-Ratsvorsitzende, gedacht haben sollte, ist theologisch naiv und perpetuiert eine immerwährende sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Das Zeichen der Ökumene ausschließlich am Abendmahl fest zu machen, ist ein Verhinderungsargument. Hier sei nur einmal daran erinnert, dass es in der Evangelischen Kirche bis zur Leuenberger Konkordie 1973 kein gemeinsames Abendmahlsverständnis zwischen Lutheranern, Reformierten und Unierten gegeben hat.

Aus meiner Sicht und meinem Erleben trennt uns etwas ganz anderes. Das ist mir bei diesem Papstbesuch, der Lektüre seiner Ansprachen und Predigten, aber auch beim großen Gottesdienst im Olympiastadion und vielen Begegnungen mit katholischen Freunden und katholischen Kollegen schmerzhaft bewusst geworden: Die Spiritualität, die tiefe Verwurzelung im Glauben und der Gnade Gottes, aus der eine tiefe Heiterkeit erwächst, von der wir intellektuell gesteuerten Protestanten Welten entfernt sind.

Der Protestantismus hat den Sinn für Zeichen und Symbole verloren, was seinen Ursprung vielleicht im reformatorischen Bildersturm hat. Auch das trennt uns von unseren katholischen Schwestern und Brüdern.

Erzbischof Woelki hat gestern im Olympiastadion ein Musterbeispiel der Verwurzelung im Glauben und gleichzeitig in der Welt deutlich gemacht. Daran können sich viele Bischöfe in der unserer Evangelischen Kirche eine gehörige Portion abschneiden.

Und weil der Protestantismus blind für Symbole und Zeichen ist, kann er von der ökumenischen Begegnung nur enttäuscht sein, weil er nicht versteht, was der Papst heute gesagt hat: “Nur durch tieferes Hineindenken und Hineinleben in den Glauben wächst Einheit.”

Und davon – pardon – sind wir Protestanten leider noch weit entfernt. Auch, weil wir es nach 500 Jahren noch immer nicht geschafft haben, ein evangelisches Selbstbewusstsein zu entwickeln, sondern immer noch – kurz gefasst – sagen: Evangelisch ist, was nicht katholisch ist. Das ist eine negative Definition, die der Ökumene im Weg steht.

Also, Papst Benedikt XVI., der große Intellektuelle auf dem Heiligen Stuhl, hat das, was zu tun ist, auf einen ganz einfachen Nenner gebracht: “Nur durch tieferes Hineindenken und Hineinleben in den Glauben wächst Einheit.” Damit ist die Aufgabe, die wir leisten müssen, klar und deutlich beschrieben. Im Mittelpunkt steht nicht das Abendmahl, sondern der Glauben, in den man sich erst einmal gegenseitig und miteinander hineindenken und vor allem hineinleben muss.

Lasst es uns doch einfach damit mal ganz fröhlich versuchen und dabei gemeinsam das Wunder des Glaubens entdecken und erleben!

Ich bin dabei!