Voraussehbares Inferno

Voraussehbares Inferno

Ja, ich gebe es zu: Ich habe mir am ersten Verkaufstag die ungekürzte Hörfassung des neuen Dan Brown gekauft, runtergeladen und mir angehört. Nahezu sechzehn Stunden Spannung spur. Das hatte ich zumindest erwartet. Anfänglich war dem auch so. Eine klassische Dan Brown bzw. Langdon-Eröffnung. Spannend, verwirrend, nach allen Seiten hin ausbaufähig. Die Sequenz in Florenz war noch dicht gestrickt. Der historische Hintergrund lullte mich ein. Die Beschreibung der Mappa dell’Inferno von Botticelli – ich habe sie während des Hörens geBINGt, um sie vor Augen zu haben. Alles haarklein beschrieben. Doch mit einem Male verliert der Thriller an Fahrt. Dank Brown gelingt es nicht seinen Zettelkasten, seine gegoogelten Weisheiten mit der Handlung zu verschmelzen. Sie wirken strohern, langweilig. Das Buch bekommt mehr und mehr einen Patchworkcharakter.

Ich weiß nicht, warum ich es so augenfällig finde. Liegt es daran, dass ich alle Dan Brown-Romane kenne und damit sein Muster oder liegt es eher daran, dass ich anspruchsvoller geworden bin oder geht Dan Brown die Puste aus? ich weiß es nicht. Gelang es ihm noch in seinem letzten Roman „Symbol“ – der zugegebenermaßen seine Längen hatte – mit einer Pointe am Schluss zu überraschen, bei der ich noch bewundernd sagen konnte, dass es schon eine Leistung sei, sich um einen Halbsatz herum so viele hundert Seiten Geschichte auszudenken, so muss ich heute festhalten, dass ihm nicht einmal das gelungen ist, auch wenn er sich eines durchaus brisanten Themas bedient.
Schade. Der neue Brown ist wie eine Mischung aus Browne Meteor, Langdon und James Bond, der am Ende in den Armen seines Bondgirls liegt. Es ist alles so voraussehbar geworden. Schade.