Martin Dubberke
Buß- und Bettag | Photo: Martin Dubberke

Neues Leben geschieht im Gespräch mit Gott

Ich sitze an meinem Schreibtisch, arbeite noch und höre über die Kopfhörer Musik. Und plötzlich ist da ein Geräusch, das nicht zur Musik gehört. Ich nehme den Kopfhörer ab und lausche in die Stille. Nichts. Als ich mir wieder die Kopfhörer aufsetzen will, höre ich es noch einmal. Ein leises Schluchzen. Es kommt aus dem Kinderzimmer. Ich stehe auf und gehe dem Schluchzen nach. Es ist einer meiner Söhne, der weint.

Ich beuge mich zu ihm und frage ihn, was ist. Er hat schlecht geträumt. Ich nehme ihn in den Arm und sage: „Ist nicht so schlimm. Komm ich bleibe, bis Du wieder eingeschlafen bist. Da kann Dir gar nichts passieren.“ Und wenige Augenblicke später höre ich das ein Schniefen und er ist wieder eingeschlafen.

«Höre mein Gebet, HERR, und vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen.» 

(Psalm 39,13)

Wie oft haben haben wir im stillen Kämmerlein uns allein in einer Ecke verkrochen und geschluchzt, geheult, geflennt und waren am Boden zerstört und zutiefst bedrückt, fühlten uns einsam? Warum? Weil wir verlassen wurden waren? Weil ein geliebter Mensch zu uns gesagt hat, dass er nicht mehr mit uns zusammenleben möchte. Weil ein Geliebter Mensch gestorben war, weil man dem Druck im Job nicht mehr gewachsen war oder uns das schlechte Gewissen plagt, weil wir was verbockt haben. Kleine Kinder sind hier manchmal so bestürzt, wenn sie merken, dass sie Mist gebaut haben, dass sie laut losheulen, weil es ihnen so leid tut.

Wenn ich das bei meinen eigenen Kindern erlebe, muss ich manchmal an das Jesus-Wort „Wenn Ihr nicht seid wie die Kinder“ denken und über lege dann, wann habe ich das letzte Mal erlebt, dass ein Erwachsener über seine Schuld weint.

Also, wie oft haben wir in unserem stillen Kämmerlein geschluchzt und gehofft, dass unsere Mutter oder unser Vater in den Raum kommt,uns in die Arme nimmt, tröstet und die Tränen abwischt? Und wenn die Mutter oder der Vater mal nicht sofort kamen, wurden Schweller und sforzato-Schluchzer eingebaut, die wir vielleicht noch mit einem leichten Jaulen verbanden.

Also, ich sitze mutterseelenallein in meinem stillen Kämmerlein und schluchze mit allen Raffinessen, aber niemand kommt. Keine Mutter, kein Vater und ich heule aus tiefstem Innern meine Seele heraus, fühle mich wie ein kleines Kind und nichts geschieht, bis mich ein sanfter Hauch streift. Dabei habe ich doch kein Fenster offen. In dem Moment erinnere ich mich an Gott. Ja, denke ich, warum glaube ich verlassen zu sein? Ich habe doch Gott, mit dem ich über alles reden kann. Und so fange ich an, ihm mein ganzes Leid, mein ganzes Handeln, mit dem ich Schuld auf mich geladen habe, zu erzählen. Je mehr ich ihm erzähle, desto leichter wird es mir und ich beginne zu hören, was er mir sagt. Und wenn ich genau hinhöre, ganz und gar aufmerksam bin, werde ich hören, wie sehr mich Gott liebt.

Wir haben heute Buß- und Bettag! Die Buße steht für die Einsicht und die Neuausrichtung des Lebens. Und die Ausrichtung des neuen Lebens geschieht im Gespräch mit Gott.