Martin Dubberke | Pfarrer

Keine Selbstverständlichkeit

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und eine großzügige Portion vom Segen Gottes!

Das könnte doch schon reichen, oder? Damit wäre doch alles gesagt, was wichtig wäre und wir könnten zum Kuchen oder zur Schokoladenrunde übergehen.

Aber ich sehe schon, Sie erwarten alle ein wenig mehr. Nun gut!

Geburtstag, was ist das das? Für manche ist es ein Tag, auf den sie sich richtig freuen und vollkommen aufgeregt sind. Das konnte ich gerade am Wochenende bei meinen Söhnen erleben. Die anderen sehen es als einen familiären Pflichtakt, dem sie durch Urlaub entgehen. Wieder tun sich schwer, weil es ein Nuller-Geburtstag ist, der der Auftakt zur nächsten Null ist. Und dann gibt es noch diejenigen, die jedes Jahr eine große Party machen und sich feiern lassen.

Ich persönlich gehöre ja – wie Sie schon wissen – zu denen, die sich gerne einen Urlaubstag nehmen, um sich mit sich selbst zu verabreden, damit man angesichts der Feiern mit der Familie und dann mit den Freuden auch mal Zeit für sich hat.

Geburtstage sind Gedenktage. Ich weiß ja nicht, wie das so bei Ihnen zu Hause war und ist. Aber bei mir war und ist es noch immer sehr beliebt, dass die Geschichte der eigenen Geburt erzählt wird. Wann die Wehen einsetzten und was dann passierte, samt allen Anekdoten, die dazu gehören, vom nächtlichen Anruf bei den Eltern bis hin zum Abholen aus dem Krankenhaus.

Ein Geburtstag ist aber auch ein Danktag. Meine Familie ist seit rund sechzig Jahren mit einer holländischen Familie befreundet und hier habe ich eine sehr schöne Tradition kennenlernen dürfen. Wenn man in Holland zu einer Geburtstagsfeier kommt, gratulieren die Gäste zuerst der Mutter des Geburtstagskindes. Sie gratulieren zu einem wohlgeratenen und gesunden Kind und machen damit immer deutlich, wer einem das Leben geschenkt hat, das heute gefeiert wird.

Damit Leben gefeiert werden kann, bedarf es nicht nur der zwei Menschen, die einst – sich hoffentlich in Liebe zugewandt – neues Leben gezeugt haben, sondern auch des lieben Gottes, der schützend seine Hand darüber hält, weil er der Schöpfer allen Lebens ist. Unser Leben hat damit seine Wurzel auch im Willen Gottes.

Das ist keine Garantie dafür, dass das Leben einen geraden und gesunden Weg geht. Manche Eltern geben Ihren Kindern ja die eine oder andere Hypothek mit ins Leben. Aber Gott kann dafür sorgen, dass einem Menschen begegnen, die das Leben wenden, dass Situationen entstehen, in denen der Mensch einen Ausweg erkennen kann.

Nichts im Leben ist selbstverständlich. Und so ein Geburtstag ist eine Unterbrechung des Alltags. Ein Tag, an dem das Geburtstagskind im Mittelpunkt steht und sich alles um ihn dreht.

Also eine gute Gelegenheit, einmal Revue passieren zu lassen, wie es war und wie es weitergehen könnte. Denn nichts im Leben ist – wie schon gesagt – selbstverständlich.

Schauen Sie mich an. Ich packe am vergangenen Montag meine Sachen zusammen, lege meine Unterlagen für den nächsten Arbeitstag bereit, doch in der Nacht habe ich zu Hause einen kleinen Unfall. Nichts tragisches, aber etwas, das mich aus der Selbstverständlichkeit herausreist. So etwas ist heilsam, weil es einem deutlich macht, dass es erstens anders kommen kann und zweitens als man denkt. Auch wenn es im ersten Moment ärgerlich war, so bin ich doch dankbar dafür gewesen, weil es mir auf einfache, wenn auch etwas schmerzhafte Weise deutlich gemacht hat, dass nichts selbstverständlich ist und ich dem lieben Gott jeden Tag aus Neue dankbar sein kann, dass es mir so gut geht, meine Kinder und meine Frau gesund sind, wir Arbeit haben, die uns auch noch Spaß macht.

So ein kleiner Zwischenfall erinnert auch daran, wie wichtig es ist, das zu tun, was heute in der Losung steht:

Alles, was der HERR gesagt hat, wollen wir tun und darauf hören. 2.Mose 24,7

Und im Lehrtext bei Johannes erfahren wir dann auch noch die Präzisierung dessen, was der liebe Gott von uns erwartet:

Christus spricht: Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. Johannes 13,35

Und wo das gelingt, gelingt auch das Leben. Und genau das wünsche ich Ihnen zum Geburtstag.

Amen.