Martin Dubberke | Pfarrer

In meiner Verantwortung

Der Gedanke, Gott in Verantwortung darauf zu antworten, hat mich nicht losgelassen.

Die Sorge um den Körper, der mir nicht gehört, erhält dadurch noch einmal eine ganz andere Dimension. Gehört mein Leib Gott, dann ist die Pflege meines Körpers auch ein Gottesdienst. Meine Verantwortung definiert oder gestaltet sich vor diesem Hintergrund ganz anders und damit auch die Motivation. Wer hätte das gedacht? – Natürlich ist die gute Pflege des Körpers keine Garantie für ewige Jugend und Gesundheit. Ich kann noch so verantwortungsvoll mit dem mir anvertrauten Körper umgehen, so ist er nicht vor höherer Gewalt oder Krankheit gefeit. Auch ein Tempel aus Stein kann einem Erdbeben oder Anschlag zum Opfer fallen.

Ich kann aber Gott darum bitten, mich zu begleiten, zu bewahren, mir in den Momenten Kraft und Zuversicht zu geben, in denen ich das Gefühl habe, es nicht zu schaffen, zu schwach zu sein. Und leben wir nicht in der Invocavit-Woche, in der „Er-hört-mich-Woche“, die uns alle dazu einlädt, mehr Gebet zu wagen?

Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören;
ich bin bei ihm in der Not,
Psalm 91, 15

Tue ich mehr für mich, tue ich mehr für Gott. Das heißt aber nicht, das ich am Ende egoistisch bin, sondern, dass ich die Verantwortung für mich selbst wahrnehme, indem ich die Verantwortung das mir von Gott Geliehene ernst nehmen. Das heißt am Ende auch, dass ich mich selbst ernst- und annehmen kann und mich nicht selbstvergessen hintenanstelle. Auch der Leib meines Nächsten ist nicht sein Leib, sondern gehört Gott. Das nötigt mir Respekt vor dem anderen ab. Das bedeutet aber auch, dem anderen gegenüber mit dem gleichen Ernst und mit der gleichen Annahme zu begegnen, wie mir selbst. Vor diesem Hintergrund entsteht noch einmal eine neue Perspektive auf das Doppelgebot der Liebe:

Jesus aber sprach zu ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt« Dies ist das höchste und erste Gebot. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
Matthäus 22, 37-40

Wenn ich weiß, dass mein Leib nicht mein Leib ist, sondern Gott gehört, kann ich gar nicht anders als Gott von ganzem Herzen und ganzem Gemüt zu lieben. Und weil ich ihn liebe, kann ich auch mich selbst lieben und annehmen und so meinen Nächsten lieben, weil sein Leib den gleichen Besitzer hat. Und weil Gott mein Leib gehört, bin ich schon angenommen… Ich kann es drehen und wenden, wie ich will, das Doppelgebot ist der Garant für Friede, Freiheit und den Erhalt von Gottes Schöpfung. Es gibt keine andere Möglichkeit.

Ist doch spannend, was passiert, auf welche Gedanken man kommen kann, wenn man morgens vor der Arbeit ins Sportstudio geht und der Tag eben nicht mit der Arbeit beginnt, sondern, z. B. mit Sport, also einer Verabredung mit mir selbst. Und Zeit, die ich für mich habe, die habe ich am Ende auch mit und für Gott.

Und am Ende fühle ich mich besser. Ist der Tempel im Reinen, bin ich im Reinen mit Gott und dann auch mit mir selbst. Es geht mir dann nicht nur besser, weil ich Sport mache oder mich gut ernähre, vielleicht auch weniger auf die Waage bringe und beweglicher werde, sondern weil ich Gott auch in diesem Bereich meines Lebens ernster nehme und es nicht für mich mache, sondern in der Verantwortung, in die mich Gott hineingestellt hat, indem er mir das anvertraut hat, was ich meinen Leib nenne.

Passionsnotiz Nr. 11 vom 11. März 2017