Martin Dubberke | Pfarrer

Herausforderung Erinnerung die Zweite

Na, schon erste Erfahrungen mit der gestrigen Herausforderung gesammelt und tief in das Reich der eigenen Schlechtigkeiten vorgedrungen? Ich habe nicht gesagt, das es leicht fallen würde. Ehrlicherweise habe ich heute in meiner Mittagspause  ernsthaft vorgehabt, mich der Frage zu widmen, aber das Telefon klingelte… Der Klassiker eben.

Aber Spaß beiseite, ich gebe zu, dass es mir verdammt schwer gefallen ist. Aber genau in dem Moment, als ich an etwas ganz anderes dachte und etwas ganz anderes machte, war es so, als würde einer mit einem Spot in eine meiner dunklen Ecken leuchten und ich erschrak.

Ja, das mit der Aufmerksamkeit. Manchmal bin ich so durch eine Sache, Arbeit gebunden, dass ich mich nur schwer auf etwas anderes konzentrieren kann, weil meine Gedanken immer um die eine Sache kreisen, so dass ich zwar im Raum bin, aber am Ende doch abwesend. Mehr verrate ich jetzt hier und an dieser Stelle nicht, denn ich glaube, dass es ein gutes und nachvollziehbares Beispiel dafür ist, dass wir uns viel zu oft in unserem Leben an den großen Sünden und Sündern orientieren und dann selbstberuhigend sagen: Dagegen bin ich ein Engel! – Falsch, auch eine kleine Sünde kann für den anderen als Todsünde wahrgenommen werden.

Vor diesem Hintergrund ist z. B. mangelnde Aufmerksamkeit sogar eine große Sünde, die mich zweimal trifft. Zum einen, weil ich einem anderen damit wehtue, da ich ihm das Gefühl gebe, nicht wertvoll oder wichtig genug für mich zu sein, und zum anderen, weil ich nicht in ausreichendem Maße auf mich selbst achte, also mir gegenüber ebensowenig aufmerksam bin wie ihm. Die Ursachen dafür können vielfach sein: Falsches Zeitmanagement, falsche Prioritätensetzung oder was auch immer. Das Ergebnis ist am Ende immer das gleiche: Ich habe mich selbst nicht genug geliebt und dadurch auch meinen Nächsten nicht. Wenn das keine Sünde ist…

Also, ruhig noch einmal in sich gehen und vielleicht bei einer großen Tasse Kaffee das Gespräch mit Gott suchen und gespannt darauf sein, was dabei ans Licht kommen wird.

Dafür verspreche ich, morgen über das Schöne nachzudenken. Versprochen!

Passionsnotiz Nr. 14 vom 14. März 2017