Martin Dubberke | Pfarrer
Passionsnotiz Nr. 25 | Bild: Martin Dubberke

Halbzeit

Etwas mehr als die erste Hälfte der Passionszeit ist nun vorbei und es stellt sich die Frage: Wie geht es mir? Wie geht es Dir?

Was ist mir in den vergangenen Wochen alles durch den Kopf, durch die Seele gegangen? Welche Erfahrungen habe ich auf der Wegstrecke Richtung Ostern gemacht?

Heute ist ein guter Tag, um ein wenig Bilanz zu ziehen. Hinter uns liegen Aschermittwoch, Invocavit, Reminiscere und Okuli. Wir haben uns daran erinnert, dass wir mit Gott über alles reden können und er uns zuhört. Wir haben uns daran erinnert, was er uns alles Gutes schon getan hat. Wir haben erfahren, was es bedeutet, wenn man stets seine Augen auf Gott richtet. Wir haben gelernt, wie groß unsere eigene Verantwortung ist und wie gern wir alles auf Gott abwälzen wollen.

Ich glaube, dass wir in den zurückliegenden Wochen ein gutes Gefühl dafür entwickeln konnten, was Bonhoeffer gesagt hat und ich gestern auch zitiert habe, dass es „ein schwerer, verhängnisvoller Irrtum ist, wenn man Religion mit Gefühlsduselei verwechselt. Religion ist Arbeit. Und vielleicht die schwerste und gewiss die heiligste Arbeit, die ein Mensch tun kann.“ (DBW 10, 484)

Wenn wir das auf dem Weg Richtung Ostern als Vorbereitung auf unser neues Leben erfasst und begriffen haben, dann haben wir viel geschafft.

Heute ist eine gute Gelegenheit, einmal alles aufzuschreiben, was du in dieser Zeit schon angepackt hast, was du geändert hast, was dir durch den Kopf gegangen ist, was du noch in Zukunft bewegen möchtest. Du wirst sehen, dass dir das am Vorabend zum Sonntag Lätare mit Sicherheit Grund zur Freude bieten wird.

Lätare geht auf einen Vers aus dem Propheten Jesaja zurück:

Freuet Euch mit Jerusalem!
Jesaja 66,10

Ganz offen wird auf dem halben Wege auf Ostern zu das Thema Freude angesprochen. Und Freude ist etwas Wunderbares. Aus Freude spricht Hoffnung und Dankbarkeit. Die Freude darüber, die erste Hälfte hinter sich zur haben und nur noch die zweite Hälfte greifbar vor sich zu haben auf dem Weg zum neuen Leben.

Wenn wir uns auf das neue Leben vorbereiten, gehört die Freude dazu. Freude ist eine gute Antwort auf die Gnade Gottes, die wir jeden Tag neu erfahren dürfen. Freude ist die mutige Antwort auf die Herausforderungen, die uns Gott stellt, nämlich die Verantwortung zu übernehmen, nach den Weisungen Gottes zu leben und so mehr Freude in die Welt hineinzubringen.

Passionsnotiz Nr. 25 vom 25. März 2017