Martin Dubberke

Gott ist treu

Ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. – Wissen Sie, zu wem Gott das sagt und vor allem in welcher Situation er das sagt? – Ach, mit der Antwort warte ich noch einen kleinen Moment.

Wie halten Sie, wie haltet Ihr es eigentlich mit Götzen? Habt Ihr welche?

Es gibt ja dann auch noch das wunderbare Wort „ergötzen“ – Ich ergötze mich an Deinem Anblick oder einem köstlichen, erfrischenden Eis. Ergötzen, also jemandem Spaß, Vergnügen oder Freude bereiten oder selbst an etwas Vergnügen haben. Ich ergötze mich an der Treue und Liebe Gottes. Das ist doch etwas, wo man gleich spürt, dass da lustvolle, fröhliche Kraft dahintersteckt.

Also, woran ergötzen wir uns so hier in dieser Runde?

Tja, und dann gibt es noch diese Götzen oder Götzenbilder aus Gold und Silber. Schwer, teuer, wertvoll. Tja, irgendwie so eine Art Gott zum Anfassen? Wir Menschen brauchen immer wieder etwas zum Anfassen, damit wir es glauben können. Ja, aber wenn ich ehrlich bin: Wenn ich etwas anfassen kann, dann muss ich auch nicht mehr daran glauben.

Glauben hat etwas mit Vertrauen und nicht mit Anfassen zu tun. Tja, und wenn ich mir so diese Welt anschaue. Wem kann ich da noch vertrauen?

Genau, Sie sagen es. Es gibt zwar keine Stasi mehr, aber in unserer Gesellschaft hat sich ein Klima des Misstrauens auf einer ganz anderen Ebene eingeschlichen. Welchen Nachrichten kann ich noch trauen? Wessen Worten kann ich noch trauen? Wir erleben es um uns herum und die Wahlen zum EU-Parlament und auch hier in Brandenburg haben es sehr deutlich gemacht, wie sehr das Vertrauen in das Funktionieren unserer Gesellschaftsordnung beschädigt ist, so sehr, dass man sich neue Götzen schafft und sie verehrt und mit seiner Stimme groß macht.

Ich könnte nun sagen, dass das, was die Götzenbilder zu Zeiten des Alten Testaments waren, heute das sind, was Populisten z.B. das Christliche Abendland nennen. Und es scheint hier ein unfassbares Opfer zu geben, wenn sich das als wahr erweisen sollte, was von den Ermittlern im Mordfall Lübcke aktuell kommunizieren.

Tja, und dann schaue ich mir den Kontext an, dem die Losung entnommen ist und stelle fest, was passiert, wenn man nicht vertrauen, nicht glauben haben kann, wenn man Götzen braucht. Ich lese Ihnen das einfach mal vor:

Die hilflosen Götter und der helfende Gott

Bel bricht zusammen, Nebo ist gefallen, ihre Götzenbilder sind den Tieren und dem Vieh aufgeladen, dass sie sich müde tragen an dem, was eure Last war. Sie fallen und beugen sich allesamt, sie können die Last nicht retten; sie selbst müssen in die Gefangenschaft gehen. Hört mir zu, ihr vom Hause Jakob und alle, die ihr noch übrig seid vom Hause Israel, die ihr von mir getragen werdet von Mutterleibe an und vom Mutterschoße an mir aufgeladen seid:

Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten. Wem wollt ihr mich gleichstellen, und mit wem vergleicht ihr mich? An wem messt ihr mich, dass ich ihm gleich sein soll? Sie schütten das Gold aus dem Beutel und wiegen das Silber mit der Waage dar und dingen den Goldschmied, dass er einen Gott daraus mache, vor dem sie knien und anbeten. Sie heben ihn auf die Schultern und tragen ihn und setzen ihn nieder an seine Stätte, dass er stehe und nicht von seinem Ort rücke. Schreit einer zu ihm, so antwortet er nicht und hilft ihm nicht aus seiner Not. Gedenkt doch daran und seid fest, ihr Abtrünnigen, nehmt’s zu Herzen! Gedenkt des Vorigen von alters her, denn ich bin Gott, und sonst keiner, ein Gott, dem nichts gleicht, der ich zuvor verkündige, was hernach kommen soll, und vorzeiten, was noch nicht geschehen ist, und der ich sage: Was ich beschlossen habe, geschieht, und alles, was ich mir vorgenommen habe, das tue ich. Ich rufe einen Adler vom Osten her, aus fernem Lande den Mann, der meinen Ratschluss ausführe. Wie ich’s gesagt habe, so lasse ich’s kommen; was ich geplant habe, das tue ich auch. Hört mir zu, ihr trotzigen Herzen, die ihr ferne seid von der Gerechtigkeit! Ich habe meine Gerechtigkeit nahe gebracht; sie ist nicht ferne und mein Heil säumt nicht. Ich will zu Zion das Heil geben für Israel, meine Zier.

Jesaja 46

Die Menschen haben sich an den Götzenbildern, den Götzen eine Weile lang ergötzt. Doch dann wurden sie zerstört. Die Menschen gerieten in Gefangenschaft. Als es darum ging, die großen Sorgen der Menschen zu lösen, waren die Götzen erstaunlich stumm und hilflos, weil sie nur zum Anfassen und drum herumtanzen waren. Und das war es dann auch schon.

Sie haben nicht auf die Gerechtigkeit Gottes vertraut. Und ich lege hier großen Wert darauf, von der Gerechtigkeit Gottes zu sprechen, denn die ist anders als es diejenigen gerne hätten und verstehen wollen, die das christliche Abendland propagieren, weil sie nicht verstanden haben, dass Gottes Gerechtigkeit ganz anders funktioniert als sie sich das in ihren kleinen, harten Herzen vorstellen.

Und noch etwas: Wer nicht vertrauen kann, hat Angst, eine verdammt gefährliche Angst.

Ja, Glauben und Vertrauen. Das sind zwei ganz wichtige Dinge im Zusammenleben zwischen Menschen und nicht zuletzt zwischen Mensch und Gott.

Und genau hier schreibt Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther exakt das, worum geht und, was uns immer bewusst sein sollte:

Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.
1. Korinther 1,9

Das verändert unsere Perspektive. Wir sind zur Gemeinschaft berufen, zur Gemeinschaft seines Sohnes. Und der Reichtum dieser Gemeinschaft erwächst aus dem Gebot: Liebe Deinen Nächsten wie Dich! Und diese Liebe ist zuweilen herausfordernd, weil sie ausnahmslos allen gilt. Also, lasst uns was draus machen!

In diesem Sinne: Amen.

Wochenandacht über Losung und Lehrtext vom 20. Juni 2019 im Landesausschuss für Innere Mission:

Ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten.

Jesaja 46,4

 

Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.

1.Korinther 1,9