Martin Dubberke | Pfarrer

Gelungene Öffentlichkeitsarbeit nach Gottes Plan

13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe. 14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? 15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s geschehen. 16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. 17 Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. (Mt 3, 13-17 | Jesu Taufe)

Ich muß es ehrlich gestehen. Ich habe über diesem Text gesessen und gebrütet und wollte einfach keinen Predigteinfall bekommen.Immer wieder blickte ich auf die Uhr im Rechner und sagte mir, noch zwei Stunden, noch eine Stunde, noch eine halbe Stunde.

Ich las die Kommentare, schaute mir die Predigtmeditationen der Kollegen und Kolleginnen im Internet an. Aber es wollte einfach nicht zünden.

Sollte ich etwas über die Taufe meiner Söhne erzählen? Nein, das macht auch jeder gerne. Und ich sage Ihnen, die Taufe meiner Jungs war ein besonderes Ereignis.

Es ist doch über diesen Text alles gesagt und geschrieben worden, was man sich vorstellen kann. Jeder von Ihnen in der Gemeinde weiß, worum es in diesem Text geht. Jeder kennt die Szene am Jordan, die Menschenmassen, die sich dort anstellen, um von Johannes getauft zu werden.

Sollte ich vielleicht doch etwas über die Taufe erzählen. Das rituelle abwaschen des Alten, der Sünde verbunden mit der Buße, Umkehr und dem Neubeginn des Lebens unter neuen Vorzeichen. Das Neuwerden des Menschen.

Oder sollte ich Ihnen vielleicht etwas von dem Beginn des Wirkens Jesu Christi erzählen. Die berühmte Wachablösung am Jordan. Nein, nein, nein, das kennen Sie doch alles.

Ich habe Angst zu langweilen oder gar zu theologisch zu werden. Die letzte Rettung eines Predigers, wenn er nicht weiß, was er erzählen soll.

Vielleicht könnte ich ja auch etwas über die Unterschiede von Johannes und Jesus erzählen. Nein, das ist jetzt überhaupt nicht interessant. Wer von beiden der Größere gewesen ist. Nein, auch das nicht.

Ich könnte auch etwas über die Taube und den sich öffnenden Himmel erzählen. Aber das kennen Sie ja auch. Also, was soll ich Ihnen erzählen, was sie nicht schon wissen.

Ich mache mir also einen Kaffee, in der Hoffnung, daß sich meine gedankliche Verkrampfung löst. Aber auch das bringt diesmal nichts.

Langsam werde ich nervös. Die Zeit rennt mir durch die Finger und ich habe noch nicht eine einzige Zeile geschrieben.

Ich lese also noch einmal den Text und versuche mir die Szene bildlich vorzustellen, so als würde ein Film vor mir ablaufen.

Da stehen sie am Jordan, all die vielen Menschen, die sich von Johannes taufen lassen wollen. Es sind viele, sehr viele Menschen, Menschenmassen. Johannes predigt und predigt. Es fließt nur so aus ihm heraus. Mein Neid ist mit ihm. Ich würde das auch auch gerne können, so einfach ohne Manuskript.

Und dann tritt Jesus auf. Die Blicke von Johannes und Jesus treffen sich. Johannes weiß sofort, wer vor ihm steht. Der, auf den er hinarbeitet.

Jesus tritt auf Johannes zu und sagt, er möge ihn taufen. Johannes sagt, nein Du solltest mich taufen. Aber Jesus sagt nur, der Plan sieht anders aus.

Und so steigen Johannes und Jesus gemeinsam in den Jordan und Johannes taucht Jesus in den Fluß und tauft ihn.

Da öffnet sich der Himmel und der Geist Gottes zeigt sich als Taube. Ich sehe ein wunderbares goldenes Licht, das durch die Schäfchenwolken bricht.

Und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen und ich flüstere ein “Genial” zu meinem Rechner.

Jesus löst Johannes ab. Es beginnt eine Zeitenwende. Und sie beginnt vor einer Menschenmasse. Das ist gelungene Öffentlichkeitsarbeit nach Gottes Plan.

Die Menschenmassen, die einem neuen Weg und Leben gegenüber aufgeschlossen sind, erleben Jesus und die Präsens des Heiligen Geistes. Gleichzeitig wird ihnen die zentrale Botschaft mitgeteilt: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich meinen Wohlgefallen habe.

Jetzt wissen es alle. Jesus ist der Sohn Gottes und diese Menschen sind Multiplikatoren, die diese Botschaft tausend und tausendfach durch die Städte und das Land tragen. Einen besseren Start des Wirkens Jesu kann man sich kaum vorstellen.

Menschen, die mitgerissen sind und es in die Welt tragen und so die Popularität Jesu unheimlich steigern.

Und so denke ich mir, das muß doch heute auch noch möglich sein. Und es ist möglich, wenn wir alle, die wir Sonntag für Sonntag in die Kirche gehen, allen Menschen erzählen, was Jesus für uns bedeutet. Und wir sind viele. Sonntag für Sonntag gehen in Deutschland mehr Menschen in den Gottesdienst als in die Fußballstadien des Landes.

Amen.

Sonntag: 1. Sonntag nach Epiphanias

PREDIGTORT: Silas-Kirche

Datum: 11. Januar 2009

PREDIGTTEXT: Matthäus 3, 13-17

PERIKOPENREIHE: I