Für alle, die heute Geburtstag haben

Für alle, die heute Geburtstag haben

Als ich am Montag erfuhr, dass ich heute eine Geburtstagsandacht halten darf, dachte ich zuerst: Na, wunderbar, hoffentlich habe ich auch an dem Tag einen Losungstext, den ich nicht irgendwie theologisch auf Geburtstag biegen muss.

Also nahm ich mein iPhone aus der Tasche, gab den Pincode ein und öffnete die Losungs-APP und atmete dankbar auf. Und damit bin ich schon beim Thema: Dankbarkeit.

Das ist ein köstlich Ding, dem HERRN danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkündigen. Psalm 92, 2-3

So ein Geburtstag ist ja immer ein Meilenstein, ein Punkt zum Innehalten auf einer Bergwanderung. Wenn man Glück hat steht da eine Bank, auf der man sich ein wenig ausruhen und die Aussicht genießen kann. Das ist, nebenbei gesagt, der Grund, weshalb ich mir zum Geburtstag immer einen Urlaubstag schenke. Da kann ich anderthalb Stunden länger schlafen, bringe dann die Kinder am Morgen zur Kita und gehe dann in mein geliebtes Kant-Café frühstücken. Der Morgen ist meiner, ganz allein meiner. Und dann schaue ich auf das zurückliegende Lebensjahr zurück und mache so ein wenig Inventur. Blättere, Entschuldigung, scrolle ein wenig durch meinen Kalender und dann entdecke ich ganz viele Dinge, für die ich dem lieben Gott danke. Für alle anderen in dem Café sitze ich alleine am Tisch. Aber nur für alle anderen. In Wirklichkeit sitzt mir an dem Morgen der liebe Gott gegenüber und ich unterhalte mich mit ihm. – Natürlich nur in Gedanken, damit keiner glaubt, ich wäre ein bisschen komisch.

Und so spüre ich an meinem Geburtstagsmorgen, viel von der Gnade Gottes, bin ihm dankbar, trinke einen Schluck italienischen Kaffee und raune ihm über den Tassenrand zu: “Danke für Deine Gnade, dass Du auch in diesem Jahr wieder so gut zu mir gewesen bist.” Und dann lächelt er mich verschmitzt an, so wie es nur der liebe Gott kann, und sagt: “Ich finde auch, dass wir das doch gemeinsam ganz gut hinbekommen haben. Und was planst Du für Dein neues Lebensjahr?”

Naja, ist doch klar, wo man Inventur macht, muss man auch schauen, was man im kommenden Lebensjahr anders machen möchte und welche Pläne man hat. Und so fange ich an, mit dem lieben Gott über meine Pläne zu reden und sage, dass ich im neuen Lebensjahr gerne ein wenig Ballast abwerfen möchte, weil ich für meine Familie etwas gesünder leben möchte. Und da antwortet er dann in seiner schonungslosen, aber liebevollen, offenen Art: “So, so, hast Du Dir das nicht schon für das vergangene Lebensjahr vorgenommen?”

„Ja, aber, Du weißt doch selbst, wie das war!”

„Martin Dubberke, nicht solche Ausreden. Wir wollen doch ehrlich miteinander sein und Du weißt doch: Ich weiß sowieso alles.”

„OK, Du hast recht. Aber ich kann es doch wenigstens, versuchen…”

Und so geht es noch eine ganze Weile weiter und am Ende sagt er dann: “So Martin, und nun schreibst Du das alles auf und schreibst immer hübsch dahinter, bis wann Du das umgesetzt haben willst!”

Jetzt werde ich also festgenagelt. Nun, gut. Er nimmt mich in die unausweichliche Pflicht. Aber er hat ja Recht und das ist auch seine Wahrheit.Liebe Geburtstagskinder, ich wünsche Euch für heute nicht nur alles Gute zum Geburtstag und Gottes reichen Segen, sondern auch so eine Verabredung mit dem lieben Gott.

Amen.