Martin Dubberke | Pfarrer

Einer trage des andern Last

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie wir uns im LAFIM auf den Berliner Kirchentag vorbereitet haben. Wir saßen in unserer kleinen Arbeitsgruppe zusammen und überlegten, was wir den Menschen dort mit auf den Weg geben könnten, damit sie uns gut in Erinnerung behalten. Also, das klassische Give away mit hohem Nutzwert und hoher Verweildauer beim Beschenkten.Und was wurde es? Der Klassiker. Ein Baumwollbeutel. Doch was sollten wir auf den Beutel drucken. Die einen meinten, dass man ein schönes großes Logo draufmachen sollte. Andere waren der Meinung, die LAFIM-Landkarte mit den vielen Standorten sollte auch drauf sein.

Doch dann hatte eine Kollegin die zündende Idee: „Einer trage des andern Last.“ Das war’s. Wir waren begeistert. Und das Beste daran, die Kollegin, die den Vorschlag gemacht hatte, war nicht einmal in der Kirche. Tja, wo der Heilige Geist weht.

Der Beutel wurde auf dem Kirchentag ein echter Fanartikel. Nach kurzer Zeit kamen Menschen an unseren Stand und erzählten, dass sie die Beutel schon so oft gesehen hätten, und weil sie ihn so toll finden, auf die Suche nach unserem Stand gegangen sind. Und so ging unser Beutel mit Botschaft in die Welt hinaus…

Einer trage des andern Last,
so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

Dieser Vers aus dem Brief an die Galater, Kapitel 6, Vers 2 ist nun der aktuelle Wochenspruch. Einer trage des andern Last. Wenn ich es mir recht überlege, ist das doch eine sehr interessante Formulierung. Wenn ich die Last des anderen tragen soll, gilt auch für ihn, dass er meine Last tragen soll. Dann kann ich doch gleich meine Last alleine tragen. Worin besteht denn dann die Hilfe? Was ist denn daran diakonisch?

Um das zu verstehen, muss man noch den Vers davor lesen:

Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr die geistlich seid; und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest.

Bei der Last handelt es sich also um die Last der Verfehlung, die meine Seele beschwert. Und dann sagt das Gesetz Christi, dass ich ihm helfe, diese Last zu tragen, sie ihm abzunehmen, ohne Vorwürfe zu machen, weil ich in der gleichen Gefahr stehe, versucht zu werden.

Sprich, die Verfehlung meines Nächsten lehrt mich auch, auf mich selbst kritisch zu sehen, wo ich versucht werden kann, vom Weg, den Gott mir anempfohlen hat, abzukommen. Auch das ist eine Perspektive auf das, was Jesus uns mit auf den Weg gegeben hat, als er sagte: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Woche

Ihr

Pfarrer Martin Dubberke