Martin Dubberke

Ein jegliches Ding hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde (Prediger 3,1)

So steht es im Prediger Salomo. Und ein paar Verse später schreibt er, dass der Mensch, das Werk, dass Gott tut, weder Anfang noch Ende, ergründen kann. Und damit gelangt der Prediger zu der wunderbaren Schlussfolgerung:

„Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben.“

Gott schreibt also gewissermaßen den Zeitplan. Der Prediger gibt sich ganz dem Walten Gottes hin und das verleiht ihm Gelassenheit. Und Gelassenheit bedeutet ja auch, gelernt zu haben oder sich zu trauen loszulassen. Wer mich kennt, weiß, dass eines meiner absoluten Lieblingslieder „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ ist.  Da heißt es „Wer dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut.“

Das ist auch meine Maxime. Das heißt aber nicht, dass ich untätig bin. Das heißt nicht, dass ich im Raum 114 meine Füße auf den Tisch lege und den lieben Gott mal walten lasse. Der liebe Gott nimmt mir nicht meine Arbeit und auch nicht meine Verantwortung ab. Aber wenn es mir gelingt, Gott zu vertrauen und loszulassen, z.B. von den Ängsten meines Lebens, dann kommt Bewegung ins Leben, dann lösen sich Blockaden.

Und wer den Mut hat, Gottes Walten zu vertrauen, wird auch mit der Zeit ein Gefühl für die Zeit bekommen, für Anfang und Ende.

Ein jegliches hat seine Zeit. Im Hebräischen steht hier „לכל זמן ועת“ – Das heißt: Ein jegliches hat seine Dauer, also seinen Anfang und sein Ende. Und wer den Anfang zu erkennen vermag und auch das Ende, kann deutlich bewusster leben und am Ende loslassen, weil er weiß, dass auf das Ende auch ein Anfang folgt.

Doch viele Menschen sträuben sich gegen das Ende, z.B. das Ende einer Beziehung, weil sie Angst vor dem haben, was danach kommen wird, weil sie fürchten, dass sie nie wieder jemanden finden, den sie lieben können oder der sie liebt. Und dann soll mit allem Leiden lieber alles so bleiben wie es leidvoll ist. Sie verhaken und verheddern sich, weil sie das Ende nicht akzeptieren wollen.

So ist es auch mit Veränderungen am Arbeitsplatz. Es hört etwas auf und etwas Neues fängt an. Doch da – und nebenbei gesagt genauso auch in der Kirche – gibt es immer diese Pharisäer-Fraktion: „Das war schon immer so. Das haben wir schon immer so gemacht. Und das machen wir auch weiter so.“ Wer das Ende nicht erkennen und annehmen kann, der kann auch das Neue nicht genießen und es sich gütlich machen – also gutgehen lassen.

Ein jegliches hat seine Zeit,
und alles Vorhaben unter dem Himmel
hat seine Stunde. (Prediger 3,1)

Dieser Vers ist in das Fundament meines Glaubens eingraviert. Und ich bilde mir ein, dass ich in meinem Leben ein ganz gutes Gefühl für die Dauer von Dingen entwickelt habe.

Wie Sie sicherlich wissen, gehöre ich zu der Generation von Theologinnen und Theologen, die vor knapp einem viertel Jahrhundert, als sie mit dem Vikariat fertig waren, nicht in den Pfarrdienst genommen worden sind. Damals kannten wir noch nicht das Wort Fachkräftemangel, dafür aber eher Worte wie „Geldmangel“ oder „Nasenpolitik“. Das war hart, weil zum einen die ganze Lebensplanung, das worauf man hin studiert hatte, mit einem Mal zerstört war und zum anderen man die Erfahrung absoluter Ohnmacht, absoluten Ausgeliefertseins gemacht hat. Das war mehr als nur hart. Das war prägend.

Aber es begann zugleich auch etwas Neues, das mich schließlich vor zehn Jahren zum LAFIM gebracht hat.

Und ich hatte in all den Jahrzehnten stets die Gewissheit, dass ich irgendwann einmal ordiniert würde. Während alle anderen immer sagten „Träum weiter!“ blieb ich gelassen. Naja, und 2016 wurde ich zum Pfarrer ordiniert. Und jetzt werde ich ab 1. August meine eigene Gemeinde haben – in Garmisch-Partenkirchen.

Ein jegliches hat seine Zeit,
und alles Vorhaben unter dem Himmel
hat seine Stunde. (Prediger 3,1)

Amen.

Wochenandacht im Landesausschuss für Innere Mission am 13. Juni 2019