Bild: Martin Dubberke

Die Sache mit der Umkehr

Die erste Woche nach Aschermittwoch ist geschafft. Und? Wie fühlt es sich an? Wie ist es Dir bislang ergangen?

Ich bin überrascht. Bislang fiel es mir leicht, auf all das, was ich mir vorgenommen habe, zu verzichten. Eigentlich hätte ich gedacht, dass es mir schwerer fallen würde, dass ich um die Süßwarenregale tigern würde oder verzweifelt vor dem Kühlschrank stünde.

Nein, ich bin kein Held und auch kein Heiliger – weit davon entfernt. Gestern war der Tag sehr dicht gedrängt und ich war ein wenig aus meinem neuen Rhythmus gebracht. Da stand ich dann schon am sehr späten Abend vor dem geöffneten Kühlschrank und dachte, wie schön es doch wäre, jetzt einfach ein Würstchen zu essen. Es wurde dann ein einfaches Butterbrot, das sehr lecker war.

Die Freude am Anderen zu gewinnen ist auch ein Aspekt der Passionszeit, die gewohnten Handlungsmuster zu verlassen und vom Alltäglichen abzuweichen, das Ungewohnte zu wagen und daran Gefallen zu finden.

Und mir stellt sich die Frage, ob sieben Wochen ohne, nicht vielleicht etwas Halbherziges sind. Komm, Hand auf’s Herz! Wenn Ostern das neue Leben beginnt und ich dann nach sieben Wochen ohne wieder in mein altes Leben zurückfalle, habe ich doch etwas falsch gemacht.

Dieser Gedanke begleitete mich heute eine ganze Weile. Wenn ich sieben Wochen auf etwas verzichte,  dann ist es doch in der Regel immer etwas, worauf ich auch sonst verzichten könnte. Ich suche mir doch immer etwas aus, was mir lieb und teuer ist, mir aber unterm Schlussstrich nicht gut tut. Damit ist doch der siebenwöchige Verzicht darauf, die erste Erkenntnis, etwas in meinem Leben falsch zu machen. So gesehen, handelt es sich also eher um eine siebenwöchige Umkehr auf Probe. Der Zeitraum ist überschaubar und sieben Wochen sind eine Zeitspanne, die nicht zu kurz und auch nicht zu lang sind, um sich an das neue Leben und eigentlich auch die neue Freiheit zu gewöhnen, frei zu sein von dem, worauf man am Anfang glaubte, nicht verzichten zu können.

Sind die sieben Wochen also nur ein psychologischer Trick?

Nein. Die sieben Wochen sind ein vorsichtiges Warmwerden mit dem neuen Leben, das man sich sehnlich wünscht. Es ist im Grunde genommen auch eine Reinigung, das Loslassen von Altlasten und so zu Ostern eine fröhliche Erleichterung.

Eigentlich lautet die Devise:

Nicht nur für sieben Wochen umkehren,
sondern für immer.

Auf dem Weg Richtung Ostern gilt es, sich auf das neue Leben vorzubereiten, es einzuüben und in fröhlicher Erwartung darauf zuzugehen.

Passionsnotiz Nr. 8 vom 8. März 2017