Martin Dubberke | Pfarrer
(c) Martin Dubberke

Die Majestät

Dein, HERR, ist die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Hoheit. Denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein. 1.Chronik 29,11

Auf der einen Seite klingt es, als wollte jemand Gott daran erinnern, wer wirklich die Majestät ist und alle Fäden in der Hand hält. Andererseits klingt es aber auch wie ein Bekenntnis und eine Loyalitätsbekundung. Beides hat seinen Reiz. Der Gedanke, dass man Gott daran erinnern könnte, wer er ist, hat etwas. Schließlich haben wir Menschen doch auch Erwartungen an unsere Vorgesetzten. Wir erwarten Führung und Freiheit gleichermaßen, Einmischen und Nichteinmischung. Wir erwarten, dass er die Fäden in der Hand behält, damit wir auch noch morgen unseren Job haben. Wir erwarten, dass er uns die Konkurrenz vom Hals hält und für uns eintritt. Wir wollen, dass er für uns da ist und Verständnis für unsere Sorgen hat. Tut er das nicht, verlieren wir den Respekt vor ihm, fühlen uns nicht mehr motiviert, fangen an zu lästern und uns Luft zu machen.

Und das ist mit dem lieben Gott und seinem Bodenpersonal nicht anders. Manchmal fragen wir uns schon, wo der liebe Gott so seine Augen hat und warum ihm seine Leute so aus dem Ruder laufen, ihm den Rücken zukehren. All die Unzufriedenen und Enttäuschten, deren Erwartungen nicht erfüllt worden sind. Sie stellen die Frage der Glaubwürdigkeit: Wie weit ist die Kirche noch glaubwürdig? Ist Gott glaubwürdig?

Es ist schon interessant, was einem die Leute so alles erzählen und vor allem bei einem abladen, wenn sie erfahren, dass ich Theologe bin. Wie viele falsche Hoffnungen erlebe ich da. Wie viele Glaubensmissverständnisse: „Wenn es Gott gäbe, hätte er dieses und jenes nicht zugelassen!“ An dieser Stelle wird ja nicht nur die Theodizee-Frage gestellt, also die Frage, warum Gott Leiden zulässt, wenn der doch die Macht besitzt, alles zum Guten zu wenden. Sondern an dieser Stelle wird auch das Gottesbild des anderen deutlich.

Der Glaube an den Gott, der mir alles abnimmt. Mit der Einstellung ist natürlich das Thema Glaubwürdigkeit und damit frustrierende Enttäuschung vorprogrammiert, die paradoxerweise in einer tiefen Gottvergessenheit wurzelt. Viele Menschen haben nämlich einfach vergessen, dass sie eigentlich lauter kleine Geschäftsführer sind und der liebe Gott ihr Vorstandsvorsitzender, der ihnen ein Leitbild – die Zehn Gebote – gegeben hat.

Gott hat alle strategischen Entscheidungen getroffen und nun geht es um das operative Geschäft. Und genau an dieser Stelle kommt die Fehlbarkeit des Menschen zum Tragen. Würde der Mensch nämlich alles so tun, wie es ihm Gott nahegelegt hat, hätten wir schon Friede und Gottes Wohlgefallen auf Erden.

Doch nun geschieht das eigentlich Fatale: Der Mensch interpretiert seine eigene Fehlbarkeit als Gottes Machtlosigkeit. Er sucht die Ursache also nicht bei sich selbst, sondern bei Gott und macht Gott für seine eigene Fehlbarkeit verantwortlich.

So, jetzt habe ich mir gerade Gedanken über ein Gefühl gemacht, dass die Losung bei mir ausgelöst hat. Ich sollte doch noch einmal in den Zusammenhang schauen, aus dem die Losung stammt, also die 1. Chronik 29.

Und das Volk war fröhlich, dass sie so willig waren; denn sie gaben’s dem HERRN freiwillig von ganzem Herzen. Und der König David war hocherfreut und er lobte den HERRN vor der ganzen Gemeinde und sprach: Gelobt seist du, HERR, Gott Israels, unseres Vaters, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Dein, HERR, ist die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Hoheit. Denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein. Dein, HERR, ist das Reich, und du bist erhöht zum Haupt über alles.

Die Situation ist eine höchst erfreuliche. Das Fundraisingprojekt König Davids zur Errichtung des Jerusalemer Tempels war nämlich geglückt. Das Volk hatte so viel Geld und Schmuck zusammengetragen, dass der Tempel gebaut werden konnte. Deshalb ist die Losung ein Bekenntnis zu Gott und der Fülle seiner Möglichkeiten.

Es macht aber auch gleich deutlich, dass ich mich diesem Gott – bei aller Partnerschaftlichkeit – unterzuordnen und seine Majestät anzuerkennen habe. Und daran soll mich heute der Lehrtext aus Offenbarung 14,7 erinnern:

Betet an den, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserquellen!

Im Gebet erde ich mich wieder und bleibe mit Gott in engem Kontakt, weil ich mit ihm rede. Amen.