Martin Dubberke | Pfarrer
Bild: Martin Dubberke

Am Ziel?

Heute ist der letzte Tag der Passionszeit angebrochen. Wie schnell doch die sieben Wochen seit Aschermittwoch vergangen sind…

Was hat diese Zeit mit Dir und mir gemacht?

Fünfundvierzigmal habe ich kürzere oder längere Passionsnotizen geschrieben, mir Gedanken über Gott und die Welt gemacht. Fünfundvierzig Tage habe ich auf Alkohol, Süßes und Fleisch verzichtet, was mir erstaunlich leicht gefallen ist, bin halbwegs regelmäßig zum Sport gegangen und habe fünf Kilogramm verloren.

Du willst wissen, wie das mit den Passionsnotizen war?

Du wirst lachen, das durchzuhalten war mir mehr bange als bei den anderen Sachen, weil ich Angst hatte, dass mir die Kraft, die Ideen, das Durchhaltevermögen ausgehen und ich unter fadenscheinigen Vorwänden, wie z.B. der Zeit, aufgeben würde. War aber nicht, wie du sehen kannst.

Die Passionsnotizen waren für mich der größte Gewinn, viel mehr als die fünf Kilo, die so nebenbei von meinen Hüften gefallen sind. Die tägliche, intensive Beschäftigung mit Gott, war eine ungeheure Bereicherung und eine großartige Übung in Disziplin.

Ja, ja, du hast vollkommen recht, als Theologe und Pfarrer beschäftige ich mich natürlich jeden Tag mit theologischen Themen, aber das ist etwas ganz anderes, als jeden Tag in diesen intensiven Austausch mit Gott, seinem Wort zu gehen. Es hat mir Perspektiven und neue Einblicke eröffnet. Daher bin ich dankbar, dass mich der liebe Gott auf diese wunderbare Idee gebracht hat.

Und wenn ich mir dann die Losung von heute anschaue, klingt das wie eine Bilanz meiner ganz persönlichen sieben Wochen mit Gott:

Gedenke an den HERRN, deinen Gott;
denn er ist’s, der dir Kräfte gibt.
5. Mose 8, 18

Diese sieben Wochen haben mich neu geerdet und dazu gebracht, mir noch einmal ganz genau das Fundament anzuschauen, auf dem ich stehe, lebe und glaube. Meine sieben Wochen „mit“ haben mir noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, sich jeden Tag die Zeit mit Gott zu geben, seiner zu gedenken.

Du fragst mich, warum?

Das kann ich Dir sagen, weil ich mich jenseits von meiner Arbeit mit Gott beschäftigt habe, weil sich meine Wahrnehmung an vielen Stellen geändert, geschärft hat, weil ich in dieser Zeit mit anderen Augen unterwegs gewesen bin, mir manches klarer geworden ist und es allem voran meiner Seele gutgetan hat.

Ob ich ein besserer Mensch in der Zeit geworden bin?

Das kann ich Dir beim besten Willen nicht sagen. Ich glaube auch nicht, dass ich das beurteilen kann. Das müssen andere machen. Ich kann dir aber sagen, dass ich gespürt habe, wie viel Kraft ich von ihm bekomme.

Ob ich am Ziel angekommen bin?

Ich weiß ja nicht, was du an dieser Stelle unter einem Ziel verstehst. Wenn für dich Ostern das Ziel ist, kann ich dir sagen, dass ich angekommen bin. Ich bin allerdings am Aschermittwoch ohne Ziel aufgebrochen. Ich habe mich einfach auf den Weg gemacht und war neugierig, wohin er mich führen würde und du kennst ja mein Lebensmotto-Lieblingslied:

Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn alle Zeit…

Man halte nur ein wenig stille
und sei doch in sich selbst vergnügt,
wie Gottes Gnadenwille,
wie sein Allwissenheit es fügt;
Gott, der uns sich hat auserwählt,
der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.

Genau darauf habe ich mich eingelassen und bin reich beschenkt worden.

Und, wie ist es dir in den sieben Wochen ergangen? Was haben sie mit dir angestellt?

Passionsnotiz Nr. 46 vom 15. April 2017