Martin Dubberke | Pfarrer
Bild: Martin Dubberke

Am Aschermittwoch fängt alles an

Ja, ja, ich weiß. Eigentlich heißt das alte Karnevalslied, das am Ende der fünften Jahreszeit immer beim Finale des Blauen Bocks gesungen wurde, ganz anders. Ja, ich gebe zu, dass ich mich noch an den Blauen Bock erinnern kann. Und ich gebe sogar zu, dass ich ihn als Kind immer gerne zusammen mit meinen Großeltern oder auch mal alleine gesehen habe. Mit den meisten Karnevalsliedern konnte ich nicht so viel anfangen, aber

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei,
von all Deinen Küssen
darf ich dann nichts mehr wissen.
Wie schön es auch sei,
dann ist alles vorbei…“

hat sich tief in meine Erinnerung, mein Ohr und Herz eingebrannt. Das Lied und sein Sänger mit der komischen Karnevalskappe, dem schwarzen Oberlippenbart, der auch dann noch schwarz war, als er steinalt war, rührte eine Saite in mir an. Auch wenn ich damals nicht verstanden habe, warum es dann mit dem Küssen vorbei sein soll, habe ich intuitiv erfasst, dass mit dem Aschermittwoch etwas zu Ende geht und etwas Anderes, das weniger Spaß macht, beginnt.

Damals wusste ich noch nicht, dass ich mal Pfarrer werden würde und die Zeit ab Aschermittwoch für mich eine besondere Bedeutung haben würde. Ebenso kannte ich auch noch nicht die Formel „Sieben Wochen ohne.“ Das ist heute alles anders.

Also, ist am Aschermittwoch wirklich alles vorbei? – Nein! Am Aschermittwoch fängt alles erst an, nämlich die Passionszeit. Sieben Wochen sind es dann noch bis Ostern. In dieser Zeit erinnern wir uns an den Weg, den Jesus bis ans Kreuz gegangen ist, sein Leiden und die Frage, warum Jesus sterben musste. Dabei nähern wir uns dem Leiden Jesu symbolisch an, indem wir uns sieben Wochen etwas auferlegen, das uns nicht leichtfällt und unser Bewusstsein schärft.

Die Themen der Aktion „Sieben Wochen ohne“ machen das eindrucksvoll deutlich:

7 Wochen ohne Vorsicht
7 Wochen ohne falsche Gewissheiten
7 Wochen ohne Runtermachen
7 Wochen ohne Enge
und in diesem Jahr „7 Wochen ohne Sofort“.

Sieben Wochen etwas anders als sonst zu machen, Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen, ist eine große Herausforderung, die uns an die eigenen Grenzen führen kann und soll, lustvoll wie leidvoll. Wir machen Erfahrungen, die wir sonst nicht machen, stellen fest, was wir alles können und zuweilen, was wir alles eigentlich nicht brauchen. Sieben Wochen, in denen ich etwas Neues einüben kann, dass mir zur guten Angewohnheit, zu einer neuen Selbstverständlichkeit werden kann.

Am Aschermittwoch beginnt die Wandlung in ein neues Leben. Und Ostern ist die Motivation, sich darauf vorzubereiten.

Mit Aschermittwoch fängt die Zeit an, sein Leben bewusster wahrzunehmen, mit Gott mehr als sonst in Gespräch zu kommen, vieles über sich selbst zu erfahren und so sein Leben und seine Beziehung zu Gott auch bewusster zu gestalten, selbst wenn man mit seinem Fastenvorhaben scheitert, schwach wird und früher aufgibt. Auch das Scheitern gehört zu den Erfahrungen, die uns uns selbst und Gott näherbringen können.

Ich z.B. habe mir neben etwas Anderem vorgenommen, jeden Tag eine kleine Passionszeit-Notiz zu schreiben… Mal sehen, ob ich es durchhalte… Ich werde darüber berichten.

Passionsnotiz Nr. 1 vom 1. März 2017