Alleinerziehender Vater zweier Töchter

Alleinerziehender Vater zweier Töchter

Hand aufs Herz, wer von Ihnen hat zu Hause einen Erziehungsratgeber im Bücherregal zu stehen? Und wer hat schon einen gelesen? Oder können Sie sich noch an die Super Nanny erinnern?

An ihr haben sich ja damals die Geister geschieden. Sie ging mit einem Kamerateam in Familien hinein und versuchte dann in zerrütteten Familien zu retten, was zu retten war. Und nicht selten stellte sich heraus, dass die Ursache schon mal eine Generation früher  zu suchen war.

Bei der Super Nanny sah es ja so aus, dass man immer in Familien kam, wo alles auseinanderzufliegen schien und eigentlich alles ziemlich aussichtslos aussah.

Mal wieder Hand aufs Herz. Wann greifen denn Menschen auf Erziehungsratgeber zu? – Genau, wenn es ein Problem gibt.

Lassen Sie mich mal folgende Situation schildern und Sie können mir dann sagen, was sie davon halten und wie Sie das Ganze einschätzen und vor allem, in welchem Fernsehsender die Geschichte gebracht werden könnte.

Also, wir haben einen alleinerziehenden Vater zweier Töchter. Die Mutter ist unbekannt. Es gibt auch keine Hinweise auf ihre Existenz. Der Vater hat unter Mühen und Schmerzen versucht, seine beiden Töchter groß zu ziehen. Er hat Ihnen Ratschläge, Tipps und Spielregeln mit auf den Weg gegeben, um eigentlich ganz gut im Leben zurecht zu kommen.

Er hat zum Teil mit harter Hand erzogen. Er hat Grenzen gesetzt. Und die beiden Töchter haben die Grenzen immer wieder ausgereizt, den Vater im Regen stehen lassen, waren ihm nicht dafür  dankbar, dass er sich so für  sie aufgeopfert hat, ihnen die Ausbildung finanziert hat, Grund und Boden für ihre Wohnungen und, und, und gegeben hat. Sie haben es ihm einfach nicht gedankt und haben sich von ihrem Vater abgewandt, sich geradezu gegen ihn aufgelehnt und seine väterliche Autorität nicht akzeptiert. Schlimmer noch für den Vater: Sie haben sich verkauft, sind in die Prostitution gegangen.

Als der Vater scheint’s am Ende seines Lateins war, hat er sich tierisch aufgeregt, hat vor Ärger und Verzweiflung fast die Kontrolle über sich verloren und sich dann Verstärkung in Form eines Kommunikationsspezialisten geholten, der ihn dabei unterstützen sollte, seine Töchter wieder nach Hause zu holen. Er war bereit, seinen Töchtern, die sich aus seiner Sicht als undankbar erwiesen hatten, zu vergeben. Und er war bereit ihnen Unterstützung in Form von Coaches und Psychotherapeuten und anderen Spezialisten zuteilwerden zu lassen, die ihnen helfen konnten, aus der Szene auszusteigen und wieder in die normale Gesellschaft zurückzukehren und ein anständiges bürgerliches Leben zu führen. Der alleinerziehende Vater war zu allem bereit.

Jemand wie die Super Nanny wäre jetzt in diese Familie reingegangen, hätte sich das alles genau angeschaut und mit allen gesprochen. Die Töchter wären ziemlich ausfallend geworden und hätten wahrscheinlich gesagt, dass der alte Sack sie doch mal endlich in Ruhe lassen sollte. Sie wären jetzt doch alt genug, um über sich selbst bestimmen zu dürfen. Sie müssten sich von diesem Uralt-Moralisten nicht immer reinreden lassen.

Wahrscheinlich gäbe es auch ein paar wunderbare, indiskrete Szenen, in denen sich die beiden Parteien anschreien und angiften.

Die Nanny würde den alleinerziehenden Vater fragen, was er sich denn wünschte und was er vielleicht auch falsch gemacht haben könnte. Wahrscheinlich würde der Vater dann sagen: „Ich verstehe das auch nicht. Ich bin ihnen doch immer in Liebe begegnet und habe Ihnen die richtigen Werte vermittelt und vorgelebt.“

Dann würde die Nanny vielleicht fragen: „Und? Hast Du Deinen Töchtern Grenzen gesetzt?“

Zweifelsohne würde der Vater mit dem Brustton der Überzeugung sagen: „Ja!“

Die Nanny wieder: „Und warst Du konsequent!“

Der Vater: „Naja, ich konnte schon sehr streng sein. Aber ich habe immer an ihre Einsicht appelliert und geglaubt, sie würden sich dann ändern.“

Die Nanny: „Du warst also streng und hast sie dann wieder laufen lassen, sprich die Zügel locker gelassen. Warst also nicht konsequent, klar und zuverlässig…“

Was meinen Sie: Auf welchem Sender würde diese Geschichte wohl gebracht ?

Auf RTL 2? Nein. Super RTL auch nicht, sondern auf BibelTV.

Und warum? Weil es die Geschichte von Gott und seinen Töchtern Israel und Juda ist, die wir beim Propheten Jeremia finden. Es ist die Geschichte, die hinter der Tageslosung steht:

Kehrt um, ihr abtrünnigen Kinder, spricht der HERR, denn ich bin euer Herr! Und ich will euch holen und will euch bringen nach Zion.

Jeremia 3,14

Lesen Sie ruhig mal die ganze Geschichte in Jeremia 3. Sie werden erstaunt sein, welche Worte da in den Mund genommen werden. Da geht es um Hurerei, Ehebruch und andere Dinge dieser Art.

Also: Gott lädt seine abtrünnigen Kinder in Gestalt von Israel und Juda ein, umzukehren. Er ist bereit, es noch einmal mit Ihnen zu versuchen. Und umkehren heißt in diesem Fall ganz eindeutig, dass Sie den bislang gegangenen Weg verlassen sollen. Und es ist auch klar, wohin sich dieser Weg orientiert: Nach Zion. Umkehren heißt, das Alte und Falsche hinter sich zu lassen und sein Leben wieder an den Spielregeln Gottes auszurichten. Und das heißt hier im konkreten Fall nach Zion. Und Gott hat das – auch wenn immer wieder seine zornige Enttäuschung über uns durchgebrochen ist – wieder und wieder mit uns Menschenkindern versucht. Daran erinnert uns auch der Lehrtext:

Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste von Judäa und sprach: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!

Matthäus 3,1-2

Auch da hat es Gott noch einmal mit uns versucht und uns eine neue Chance in Christus gegeben. Buße ist nur ein anderes Wort für Umkehr. Es wird damit deutlich, dass wir jeden Tag die Möglichkeit dazu haben, unseren Lebenskurs zu korrigieren, angesichts der unendlichen Liebe Gottes, uns unser Leben noch einmal anzuschauen, um festzustellen, wieweit wir uns von Zion entfernt haben und wie wir wieder auf den Weg zurückkommen. Und das Tolle daran: Gott will uns dabei begleiten und unser Kompass sein.

Gelobt sei Gott. So soll es sein oder Halleluja und Amen.

 

Andacht im LAFIM, gehalten am 24. Juni 2015